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<title>Barock</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Barock</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>
Als <b>Barock</b> (wahrscheinlich von portugiesisch <i>barroco</i> [s.&nbsp;u.]) wird eine Epoche der <a href="Kunstgeschichte" title="Kunstgeschichte">Kunstgeschichte</a> und der <a href="Kulturgeschichte" title="Kulturgeschichte">Kulturgeschichte</a> bezeichnet, die im Anschluss an den <a href="Manierismus" title="Manierismus">Manierismus</a> zu Beginn des 17.&nbsp;Jahrhunderts begann, mancherorts – vor allem in Gebieten, die Schauplätze des <a href="Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg" title="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährigen Kriegs</a> waren – auch später. Je nach geografischer Lage (in ländlichen Gebieten wurde länger barock gebaut als in städtischen) dauerte die Ära bis ins letzte Drittel des 18.&nbsp;Jahrhunderts, und es gab verschiedene künstlerische Ausprägungen und Entwicklungen. Innerhalb Europas sind die Unterschiede zwischen Süden und Norden am größten.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></p>
<p><span id="Sp.C3.A4tbarock"></span><span id="Spätbarock"></span>Eine Unterteilung in drei oder vier Unterepochen ist üblich; sie lassen sich nicht eindeutig zeitlich voneinander abgrenzen: <b>Frühbarock</b> (bis ca. 1650), <b>Hochbarock</b> (ca. 1650–1700), <b>Spätbarock</b> (ca. 1700–1730)<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <i><a href="Rokoko" title="Rokoko">Rokoko</a></i> (ca. 1730–1760/70). Heutzutage werden Spätbarock und Rokoko oft gleichgesetzt, mancherorts – vor allem im süddeutschen Raum, wo das Rokoko sehr beliebt war – wird die Kunst eigenständig bewertet.
</p><p>Auf die Epoche des Barock folgte Ende des 18.&nbsp;Jahrhunderts der formell strengere <a href="Klassizismus" title="Klassizismus">Klassizismus</a>, der wieder Bezug nimmt auf die klaren Proportionen und einfachere <a href="Formenkanon" title="Formenkanon">Formensprache</a> des <a href="Griechischer_Tempel" title="Griechischer Tempel">griechischen Tempelbaus</a> und der italienischen <a href="Fr%C3%BChrenaissance" title="Frührenaissance">Frührenaissance</a>.
</p><p>Vorreiter des Barock war <a href="Italien" title="Italien">Italien</a>, von wo ausgehend sich die Bewegung – zeitlich und örtlich in verschiedenen Ausprägungen – über Europa und über die Welt verbreitete. Die Kunst des Barock ist feierlich, ausdrucksvoll, bewegt-dynamisch und in <a href="Architektur" title="Architektur">Architektur</a> und <a href="Innenarchitektur" title="Innenarchitektur">Innendekoration</a> nach Bauvorhaben und Auftraggeber oft durch große Prachtentfaltung gekennzeichnet. Im Frankreich König <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwigs XIV.</a> bildete sich im Unterschied zu den meisten anderen Ländern Europas eine gemäßigtere Stilvariante aus, die <a href="Klassizistischer_Barock" title="Klassizistischer Barock">klassizistischer Barock</a> <i>(classicisme)</i> genannt wird. Der Bau von Schloss Versailles, das eine Art Prototyp für viele nachfolgende Residenzen werden sollte, steht am Anfang dieser Entwicklung.
</p><p>Barock betrifft nicht nur Architektur, Bildhauerei und Malerei, sondern auch Musik, Literatur und Philosophie, die sich ebenfalls je nach Ländern völlig verschieden entwickeln. Wegbereiter auf dem Gebiet der Musik (siehe <a href="#Musik">unten</a>) war ebenfalls Italien. In Literatur (siehe <a href="#Literatur_des_Barock">unten</a>) und Philosophie (siehe <a href="#Natur-_und_weiterführende_Gesellschaftsphilosophie">unten</a>) war Frankreich führend (in der Philosophie von England beeinflusst), wobei eine Hochphase im 18.&nbsp;Jahrhundert – im <i><a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">siècle des lumières</a></i> (dem <i>Jahrhundert des Lichts</i>) – erreicht wurde.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wortherkunft_und_-bedeutung">Wortherkunft und -bedeutung</h2></div>

<p>Der Begriff Barock entstammt dem Portugiesischen – die unregelmäßig geformte <a href="Perle" title="Perle">Perle</a> wurde <i>barroco</i> genannt. Sie heißt bis heute <i>Barockperle</i>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im <a href="Gothaischer_Hofkalender" title="Gothaischer Hofkalender">Gothaischen Hofkalender</a> aus dem Jahr 1765 kann man lesen, dass „die Perlen in runde, birnenförmige, in baroque oder übelgeformte, in Staubperlen und in Zahlperlen eingetheilet [werden]“. Ab dieser Zeit hatte sich auch die Verwendung des Adjektivs <i>barock</i> oder – wie man damals schrieb: <i>baroque</i> – schon eingebürgert. Die Barockperle erfreute sich demgemäß auch in der gleichnamigen Epoche (seit dem späten 17. Jahrhundert) großer Beliebtheit. Seit damals wurde sie in oft sehr kunstvoll gestaltete Schmuckstücke eingebaut.
</p><p>Die Bezeichnung der kulturellen Epoche Barock gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Zuvor wurde die Barockarchitektur der <a href="Architektur_der_Renaissance" title="Architektur der Renaissance">Renaissance</a> zugeordnet.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Schriftsteller-<a href="Edmond_und_Jules_de_Goncourt" title="Edmond und Jules de Goncourt">Brüder Goncourt</a> zählten zu den ersten Künstlern, die die barocke Kunst in ihren Werken priesen. Im <a href="Historismus" title="Historismus">Historismus</a> begannen Künstler, <a href="Neobarock" title="Neobarock">neobarock</a> zu bauen, zu bildhauern und zu malen.
</p>

<p>Die Bezeichnung Barock wurde auf alle Bereiche der Kunst übertragen (auch auf die Musik, Literatur und auf die gesamte Kulturgeschichte) und wird heute als allgemeiner historischer Epochenbegriff verwendet.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aber auch als Stilbegriff findet er seit <a href="Jacob_Burckhardt" title="Jacob Burckhardt">Jacob Burckhardt</a> Verwendung. <a href="Ulrich_von_Wilamowitz-Moellendorff" title="Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff">Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff</a> bezeichnete z.&nbsp;B. die <a href="Hellenismus" title="Hellenismus">hellenistische</a> Literatur als barock.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Charakterisierung">Charakterisierung</h2></div>

<p>Ein typisches Kennzeichen des Barock ist die Tendenz zum <a href="Gesamtkunstwerk" title="Gesamtkunstwerk">Gesamtkunstwerk</a>. Was in dieser Epoche gebaut oder künstlerisch geschaffen wurde, sollte einen gemeinsamen Zug haben und harmonische Ensembles bilden. Das ist besonders gut in noch bestehenden barocken Kirchen zu erkennen, in denen Architektur, Plastik und Malerei nicht nur miteinander harmonieren, sondern sogar ineinander übergehen – so kann ein <a href="Putto" title="Putto">Putto</a>, eine Wolke oder ein Vorhang am Rand eines Gemäldes in Form von Stuck plötzlich plastische Gestalt annehmen.
Oder es streben Säulen einem <a href="Deckengem%C3%A4lde" class="mw-redirect" title="Deckengemälde">Deckengemälde</a> zu und verwandeln sich dort zu Scheinarchitektur. Außerdem sollte sich die Kunst vom Gebäude ausgehend in der Landschaft fortsetzen. Ein gutes Beispiel ist <a href="Schloss_Versailles" title="Schloss Versailles">Schloss Versailles</a>, wo <a href="Schloss_Versailles#Der_Außenbereich" title="Schloss Versailles">der Park</a> mit den <a href="Wasserspiele" title="Wasserspiele">Wasserspielen</a>, dem Kanal, den <a href="Boskett" title="Boskett">Bosketten</a>, den <a href="Broderieparterre" title="Broderieparterre">Blumenrabatten</a> und den Statuen wichtige Teile des Gesamtkunstwerks sind.
</p>

<p>Das Barock entwickelte sich etwa ab der Mitte des 16.&nbsp;Jahrhunderts aus der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a>. Hintergrund bildete das Schwinden des im Mittelalter ungebrochenen und auch in der Renaissance noch weitgehend herrschenden Vertrauens in die Beziehung zwischen <a href="Substanz" title="Substanz">Substanz</a> und den sich wandelnden Erscheinungen oder <a href="Akzidens_(Philosophie)" title="Akzidens (Philosophie)">Akzidentien</a>, welche keine selbstständige Existenz und keinerlei Freiheit gegenüber der Substanz besitzen. Im 17. Jahrhundert setzt hier ein Wandel ein: Die Beziehung zwischen Substanz und Erscheinung gilt nun als kontingent. Damit verbunden sind die Auseinandersetzung mit Täuschungen, Wahrscheinlichkeiten, Unwahrscheinlichkeiten und Metamorphosen, die Verwendung von Ornamenten, Verkleidungen und Paradoxa. Illusion und Fiktion werden zu Stilmitteln der Architektur, Musik, Literatur und des Theaters.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die barocke Epoche löst die auf Einheit und Ruhe zielende Kunst der <a href="Architektur_der_Renaissance" title="Architektur der Renaissance">Renaissance</a> ab. Teils wurden die klare Gliederung und klassische Formelemente wie <a href="S%C3%A4ule" title="Säule">Säule</a>, <a href="Pilaster" title="Pilaster">Pilaster</a>, <a href="Geb%C3%A4lk" title="Gebälk">Gebälk</a> übernommen, die sich architektonisch aber weiterentwickelten. Die Liebe zur Symmetrie lässt sich gut an den (Haupt-)Fassaden ablesen: eine unregelmäßige Anzahl von meist vor- und rückspringenden Gebäudeteilen erlebt in der Mitte ihren Höhepunkt, wo ein mehrachsiger Bauteil häufig von <a href="Dreiecksgiebel" class="mw-redirect" title="Dreiecksgiebel">Dreiecks-</a> oder <a href="Segmentgiebel" class="mw-redirect" title="Segmentgiebel">Segmentgiebeln</a> bekrönt wird.
Ein im Zentrum liegendes Portal erfährt eine meist prunkvolle Ausstattung mit Säulen- oder Pilasterschmuck, Statuen und dem Wappen des Bauherrn. Generell herrschte ein großer Formenreichtum und eine Freude an der Bewegung, sowohl an der Architektur (Konkav-Konvex-Schwünge an der Fassade, Bewegung des durchgehenden Gebälks durch Vor- und Rücksprünge des Mauerwerks) wie auch in Bildhauerei und Malerei. Die meisten Kunstwerke der Epoche scheinen von einem Wind durchweht, und die Figuren – Statuen und auf Gemälden – führen teils starke Bewegungen aus.
</p><p>Im Unterschied zur Renaissance, die eine bürgerlich geprägte Epoche war, entwickelt sich Barock zur Kunst der <a href="F%C3%BCrst" title="Fürst">Fürsten</a>. Unter König <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwig XIV.</a>, dem der Ausspruch <i>L’État, c’est moi</i> (<a href="Der_Staat_bin_ich" class="mw-redirect" title="Der Staat bin ich">Der Staat bin ich</a>) zugeschrieben wird, erreichte der <a href="Absolutismus" title="Absolutismus">Absolutismus</a> seinen Höhepunkt, dessen architektonischer Ausdruck sich in dem von ihm geprägten Schloss in Versailles wiederfindet. In der Mitte des Gebäudes, wo sich das Schlafzimmer mit dem prunkvollen Bett des Königs befindet, treffen alle strahlenförmig ausgehenden Linien zusammen.
Dort befindet sich das Zentrum der Macht, von dort aus herrscht der König über Frankreich und über die Kolonien. Seine Ideen, die die Architektur und die Parklandschaft, aber auch das Zeremoniell betreffen, werden von den (deutschen) Fürsten auch noch so kleiner Fürstentümer mit Begeisterung übernommen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <a href="R%C3%B6misch-katholische_Kirche" title="Römisch-katholische Kirche">römisch-katholische Kirche</a> hatte nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs einen großen Machtschub zu verzeichnen. Es war ihr gelungen, durch die <a href="Gegenreformation" title="Gegenreformation">Gegenreformation</a> viele abtrünnige Gläubige zurückzugewinnen. Besonders unter dem Einfluss der <a href="Jesuiten" title="Jesuiten">Jesuiten</a> wurden nach dem Vorbild der Mutterkirche <a href="Il_Ges%C3%B9" title="Il Gesù">Il Gesù</a> zahlreiche Kirchen im <i>Jesuitenstil</i> gebaut, deren Architektur und Innenausstattung die Eintretenden beeindrucken sollten (wie es auch schon in der <a href="Gotik" title="Gotik">Gotik</a> der Fall war).
Architektur und Künste wollten erstaunen und überwältigen, die Prunkentfaltung erlebte eine Hochphase. In Folge dieser Entwicklung entstanden die meisten barocken Kirchen in den katholischen Ländern Europas sowie in <a href="S%C3%BCdamerika" title="Südamerika">Süd-</a> und <a href="Mittelamerika" title="Mittelamerika">Mittelamerika</a>, während man in protestantischen Gebieten an der Architektur der Gotik festhielt.
</p><p>Die Kunstform, die Zeitgeist und Zeitgefühl des Barock besonders stark widerspiegelte und die mehrere Künste in sich vereinte, war die um 1600 in Italien entstandene <a href="Oper" title="Oper">Oper</a>. Musik, <a href="Gesang" title="Gesang">Gesang</a>, <a href="Dichtkunst" class="mw-redirect" title="Dichtkunst">Dichtkunst</a>, <a href="Malerei" title="Malerei">Malerei</a>, (Schein-)<a href="Architektur" title="Architektur">Architektur</a> und die neuartigen und staunenswerten Effekte der <a href="B%C3%BChnenmaschinerie" title="Bühnenmaschinerie">Bühnenmaschinerie</a>, zu denen <a href="Feuerwerk" title="Feuerwerk">Feuerwerke</a> und <a href="Wasserk%C3%BCnste" class="mw-redirect" title="Wasserkünste">Wasserkünste</a> gehörten, strebten wie die Architektur in Richtung Gesamtkunstwerk.
</p><p>Wie schon in den Epochen zuvor entstanden auch im Barock Regelbücher, von denen das Werk <a href="Andrea_Pozzo" title="Andrea Pozzo">Andrea Pozzos</a> <i>Perspectiva pictorum et architectorum</i> (mehrere Ausgaben ab 1693) mit theoretischen und praktischen Anleitungen eines der populärsten für Architektur und Kunst war (siehe das Bild <i>Entwurf für einen Altar</i>). Es entstanden aber auch andere künstlerische Regelwerke und „Gebrauchsanweisungen“ zur Produktion von Kunstwerken. Unter anderem verfasste <a href="Martin_Opitz" title="Martin Opitz">Martin Opitz</a> 1624 mit dem <a href="Buch_von_der_Deutschen_Poeterey" title="Buch von der Deutschen Poeterey">Buch von der Deutschen Poeterey</a> ein erstes deutschsprachiges Werk mit Anweisungen für regelgeleitetes Dichten. In Frankreich setzte die <a href="Acad%C3%A9mie_Fran%C3%A7aise" class="mw-redirect" title="Académie Française">Académie Française</a> die Normen des <a href="Regeldrama" title="Regeldrama">Regeldramas</a> fest, an die <a href="Johann_Christoph_Gottsched" title="Johann Christoph Gottsched">Gottsched</a> anknüpfte. In der Musik wurden die <a href="Notation_(Musik)" title="Notation (Musik)">Notationssysteme</a> perfektioniert, um die Reproduzierbarkeit und Präzision des Spiels in immer größeren Ensembles zu erhöhen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Parallel zu Architektur und Kunst schuf man im Barock auch Regeln und Normen für den Alltag, die vor allem den Umgang der Menschen bis ins kleinste Detail regelten. Ihren Höhepunkt erreichte die Entwicklung im barocken <a href="Zeremoniell" class="mw-redirect" title="Zeremoniell">Zeremoniell</a>, das nicht nur das korrekte Verhalten an einem <a href="Regierungssitz" title="Regierungssitz">Kaiser- oder Königshof</a> regelte, sondern auch das höfliche Verhalten der Untertanen zueinander. Besonders genau ausgearbeitet wurde die Zeremonie des Begrüßens, wobei detailliert beschrieben wurde, wer (ein sozial Niedrigstehender) wem (einem sozial Höherstehenden) wie viele Schritte entgegengeht. Dabei wurde z.&nbsp;B. dem Aufeinanderzugehen im <i>Stiegenhaus</i> besondere Bedeutung zugemessen, das im Barock als Teil der Architektur so groß und feierlich wie möglich ausgestattet wurde.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Generell kann man festhalten, dass das Gesamtkunstwerk alle Teile des Lebens erfasste. Wer sich in (pompöser) Ausstattung und mit vollendeten <a href="Umgangsformen" title="Umgangsformen">Umgangsformen</a> unter Menschen begab, <i>spielte eigentlich Theater</i>. Leben, Grüßen und das Sich-zur-Schau-Stellen unter Einhaltung bestimmter Regeln fanden wohl niemals zuvor und danach in einer derart ausgeklügelten Form statt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bildende_Kunst">Bildende Kunst</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Baukunst">Baukunst</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Architektur_des_Barock" title="Architektur des Barock">Architektur des Barock</a></i></div>
<p>Die <a href="Architektur" title="Architektur">Architektur</a> des Barock, die in Europa im 16.&nbsp;Jahrhundert die <a href="Architektur_der_Renaissance" title="Architektur der Renaissance">Architektur der Renaissance</a> ablöst, ist durch großzügig gestaltete Gebäude charakterisiert, die insbesondere den Adelsfamilien und der katholischen Kirche als Repräsentationsbauten dienen sollten.
Wie in der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> sind die Grundrisse symmetrisch; anders als dort herrschen jedoch geschwungene Formen vor, und zwar sowohl in den Grundrissen als auch in den Fassaden und bis in die dekorativen Details hinein. Große Sorgfalt gilt der Ausarbeitung der Wirkung der (Innen-)Räume, die mit Prunk und mit Lichteffekten beeindrucken und zum Erstaunen bringen sollen.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zu den bedeutendsten Architekten dieses Baustils werden u.&nbsp;a.
<a href="Carlo_Maderno" title="Carlo Maderno">Carlo Maderno</a> (1556–1629),
<a href="Pietro_da_Cortona" title="Pietro da Cortona">Pietro da Cortona</a> (1596 oder 1597–1669),
<a href="Gian_Lorenzo_Bernini" title="Gian Lorenzo Bernini">Gian Lorenzo Bernini</a> (1598–1680),
<a href="Francesco_Borromini" title="Francesco Borromini">Francesco Borromini</a> (1599–1667),
<a href="Louis_Le_Vau" title="Louis Le Vau">Louis Le Vau</a> (1612–1670),
<a href="Charles_Lebrun" class="mw-redirect" title="Charles Lebrun">Charles Lebrun</a> (1619–1690),
<a href="Jules_Hardouin-Mansart" title="Jules Hardouin-Mansart">Jules Hardouin-Mansart</a> (1646–1708),
<a href="Johann_Bernhard_Fischer_von_Erlach" title="Johann Bernhard Fischer von Erlach">Johann Bernhard Fischer von Erlach</a> (1656–1723) und
<a href="Balthasar_Neumann" title="Balthasar Neumann">Balthasar Neumann</a> (1687–1753) gezählt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Innendekoration_und_Möbelkunst"><span id="Innendekoration_und_M.C3.B6belkunst"></span>Innendekoration und Möbelkunst</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Raumtypen">Raumtypen</h4></div>
<p>Die größte architektonische und künstlerische Entwicklung fand im Schlossbau statt, wo zahlreiche neue Räume entstanden. In Italien wurde die <a href="Sala_terrena" title="Sala terrena">sala terrena</a> eingeführt, die ein ebenerdiger Saal war, meist in der Mitte eines Gebäudeflügels (unter dem Festsaal) lag und einen Übergang vom Innenraum in den Garten darstellte. Häufig war die sala terrena, deren Vorbild eine (kühle) Grotte war, an Wänden und Decken mit Muscheln und Steinchen dekoriert. Sie konnte über <a href="Springbrunnen" title="Springbrunnen">Springbrunnen</a> und über <a href="Wasserspeier" title="Wasserspeier">Wasserspeier</a> verfügen, die im Mund von Grotesken oder Fischmäulern installiert waren.
</p><p>In Frankreich bildete sich das <a href="Appartement" title="Appartement">Appartement</a> heraus, eine Wohneinheit für Mitglieder der Herrscherfamilie. Es hat ein bis zwei Vorzimmer <i>(antichambres),</i> Schlafzimmer, Salon(s) und Räume für Gefolgschaft und Leibwache. Herrscher hatten – dem Beispiel König Ludwig XIV. folgend – <a href="Audienz" title="Audienz">Audienzzimmer</a> und häufig auch ein (Parade)Schlafzimmer. Natürlich gab es in fast allen Schlössern und auch in den meisten Stiftsgebäuden große und prunkvoll ausgestattete Räume, in denen Festveranstaltungen stattfanden.
Eine architektonische Neuerung stellte die Galerie dar, wobei die <a href="Spiegelsaal_von_Versailles" title="Spiegelsaal von Versailles">Spiegelgalerie in Schloss Versailles</a> das Vorbild für alle folgenden Galerien war. Es handelt sich dabei meist um einen langen, schmalen Verbindungsgang, der mit Gemälden, <a href="Statue" title="Statue">Statuen</a> und Spiegeln mit prachtvollen Rahmen ausgestattet sein konnte. Typischerweise entwickelte sich im Barock auch die Liebe zur Literatur und zum Besitz von kostbaren Büchersammlungen, die ihren Ausdruck im Bau von großen und prächtigen Bibliotheksräumen fand (s. auch: <a href="Klosterbibliothek" title="Klosterbibliothek">Klosterbibliothek</a> und <a href="Stiftsbibliothek" title="Stiftsbibliothek">Stiftsbibliothek</a>).
</p><p>Gästezimmer gehörten ebenfalls zur Grundausstattung einer Residenz und der Klöster. In deutschen Landen hießen sie meist <i>Kaiserzimmer</i> (Beispiel: <a href="Stift_G%C3%B6ttweig#Museum_im_Kaisertrakt" title="Stift Göttweig">Kaisertrakt in Stift Göttweig</a>), weil sie in erster Linie für die Mitglieder der Herrscherfamilie gedacht waren. Das hatte neben dem gastfreundlichen auch einen praktischen Grund: weil es damals noch keine Hotels und schon gar keine sicheren oder sauberen Unterkünfte gab, stellten Ordensleute, aber auch Aristokraten in ihren Landschlössern durchreisenden Gästen Wohnraum zur Verfügung.
</p><p>Eine Besonderheit der Epoche war, dem <a href="Treppenhaus" title="Treppenhaus">Treppenhaus</a> eine große Bedeutung zuzumessen. In Schlössern wurden sie über großem Grundriss errichtet und zogen sich durch alle Geschosse. Sie waren meist außerordentlich kostbar und künstlerisch ausgestattet und von einem <a href="Deckengem%C3%A4lde" class="mw-redirect" title="Deckengemälde">Deckengemälde</a> bekrönt. Eine der berühmtesten Treppenhausanlagen im deutschsprachigen Raum befindet sich in der <a href="Deckenfresko_im_Treppenhaus_der_W%C3%BCrzburger_Residenz" title="Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz">Würzburger Residenz</a>.
Es gab für die Bewegung im Treppenhaus, also für das Hinauf- und Hinunterschreiten, wie für die meisten Lebenssituationen ein eigenes <a href="Hofzeremoniell" title="Hofzeremoniell">Zeremoniell</a>: je nach dem sozialen Rang des Gastgebers und zu empfangenden Gasts musste der eine dem anderen eine gewisse Anzahl von Stufen entgegengehen. Ein Zeremonienmeister klärte dies vor Begegnungen.
</p><p><br>
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barocke Raumtypen</li>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Galerie_(Architektur)" title="Galerie (Architektur)">Galerie</a> im <a href="Palazzo_Colonna" title="Palazzo Colonna">Palazzo Colonna</a> mit <a href="Fresko" title="Fresko">Deckenfresken</a> von Giovanni Coli und Filippo Gherardi (1675–1678), Rom</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Spiegel- (oder Gold-)kabinett im Unteren <a href="Schloss_Belvedere" title="Schloss Belvedere">Belvedere</a> (1714–1716), Wien</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Treppenhaus" title="Treppenhaus">Treppenhaus</a> von <a href="Schloss_Wei%C3%9Fenstein_(Pommersfelden)" title="Schloss Weißenstein (Pommersfelden)">Schloss Weißenstein</a> in <a href="Pommersfelden" title="Pommersfelden">Pommersfelden</a> (1714–1718)</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Prunksaal_der_%C3%96sterreichischen_Nationalbibliothek" title="Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek">Prunksaal der Hofbibliothek</a> in der <a href="Hofburg" title="Hofburg">Wiener Hofburg</a> (1723–1730) (aktuell: <a href="%C3%96sterreichische_Nationalbibliothek" title="Österreichische Nationalbibliothek">Österreichische Nationalbibliothek</a>)</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Dekor">Dekor</h4></div>
<p>Was die Ausstattung der Innenräume anbelangt, so herrschte im Barock großer Farben- und Formenreichtum. Besonders beliebt war farbiger Marmor, der für Säulen, Balustraden, Wände, Böden und Türumrahmungen verwendet wurde. In Italien erreichte die Kunst, verschiedenfarbige Marmorstücke zu großen Bildern zusammenzustellen, ihren Höhepunkt (s. Foto: polychrome Marmorkunst in Neapel; zudem wurden etliche Tische und Schränke der Epoche mit <a href="Pietra_dura" title="Pietra dura">Pietra Dura</a>-Platten versehen).
</p><p>Natürlich konnte Marmor in erster Linie nur dort verwendet werden, wo er abgebaut wurde. Der Transport war wegen des allgemeinen schlechten Zustands der Straßen und wegen der hohen Kosten, die dabei anfielen, kaum möglich. Das ist einer der Gründe, warum in Deutschland und in Österreich auch <a href="Stuckmarmor" title="Stuckmarmor">Kunstmarmor</a> (Scagliola) verwendet wurde, mit dem man noch ausgefallenere Farbwirkungen erzielen konnte. Beispiele dafür findet man in der Kirche und in der Bibliothek von <a href="Stift_Altenburg" title="Stift Altenburg">Stift Altenburg</a> oder im Treppenhaus von <a href="Schl%C3%B6sser_Augustusburg_und_Falkenlust" title="Schlösser Augustusburg und Falkenlust">Schloss Augustusburg</a> in <a href="Br%C3%BChl_(Rheinland)" title="Brühl (Rheinland)">Brühl</a>, das ein Hauptwerk <a href="Balthasar_Neumann" title="Balthasar Neumann">Balthasar Neumanns</a> war.
</p><p>In weniger repräsentativen Räumen, vor allem im Wohnbereich von Schlössern, in Klostergebäuden, aber auch in Sakristeien waren die Wände häufig mit Holz (<a href="T%C3%A4felung" title="Täfelung">Boiserien</a>) vertäfelt, oft mit Einlegearbeiten aus andersfarbigem Holz und an der Oberseite und an den seitlichen Begrenzungen mit ornamentalem, auch vergoldetem Schnitzwerk versehen.
In Frankreich und in Italien waren Holztäfelungen und auch Möbel häufig in hellen Farben gefasst und ornamentale Teile vergoldet oder versilbert. In England, wo sich Barock anders entwickelte als auf dem Kontinent, hielt man weiterhin an naturbelassenen Vertäfelungen und Möbeln aus <a href="Eichenholz" class="mw-redirect" title="Eichenholz">Eiche</a> oder <a href="Echte_Walnuss#Holz" title="Echte Walnuss">Nussbaum</a> fest, während man in Skandinavien Täfelungen und Möbel ebenfalls gerne in hellen Farben fasste.
</p><p>Decken waren oft mit <a href="Fresko" title="Fresko">Fresken</a> mit allegorischen Motiven oder mit <a href="Scheinarchitektur" title="Scheinarchitektur">Scheinarchitektur</a> bemalt, die am Beginn der Epoche von reichem, plastischen Stuckwerk gerahmt waren, der im Lauf der Entwicklung zarter und flacher wurde. Auch die Anlage der Deckengemälde veränderte sich im Lauf der Zeit. Sie wurde größer, bedeckte große Teile oder die gesamte Fläche des Gewölbes und war nicht mehr von Stuckornamenten umgeben. Auf dem Gebiet der Decken- und Dekorationsmalerei waren die Künstler Italiens führend, allen voran <a href="Andrea_Pozzo" title="Andrea Pozzo">Andrea Pozzo</a>, der darüber sogar ein theoretisches Werk mit Mustern verfasste.
</p><p>Ähnlich wie bei der <a href="T%C3%A4felung" title="Täfelung">Wandtäfelung</a> verhielt es sich mit den Fußböden. In Italien, wo man über reiches Marmorvorkommen verfügte, belegte man die Böden vorzugsweise mit Marmor- oder anderen farbigen Steinplatten. Dieses wurde auch im nördlicheren Europa kopiert, wo in Festsälen und Prunkräumen Marmor verbaute wurde. In Zentral- und Nordeuropa dominierten Fußböden aus Holz. <a href="Parkett" title="Parkett">Parkettböden</a> oder Bodenornamente konnten aus verschiedenen Holzsorten zusammengesetzt werden. Der Grund war (in den kälteren Klimazonen) ein außerordentlich praktischer: Böden aus Holz waren wärmer als die aus Marmor. Eine interessante diesbezügliche Entwicklung fand in Schloss Versailles statt, wo ursprünglich alle Böden aus Marmor waren, bald aber wegen der Kälte im Winter durch Holzböden ersetzt wurden. Typisch für die dortige Handwerkskunst – es wurde ein eigenes Parkett-Muster kreiert, das bis heute kopiert und verwendet wird. Aus einem ähnlichen Grund – um (optisch) Wärme zu erzeugen – hängte man in große Räume <a href="Tapisserie" class="mw-redirect" title="Tapisserie">Tapisserien</a> (Wandteppiche) und belegte, wie ebenfalls in Schloss Versailles, Böden mit Teppichen.
Außerdem wurde es modern, Wände mit Stoffen (meist mit Seide und Brokat aus Italien) zu bespannen und mit Holztäfelungen zu rahmen. Besonders beliebt waren zunächst dunkelrote Stoffe, die man im Kontrast zu weiß-goldenen Täfelungen setzte. Später setzten sich bei den Stoffen auch anderen Farben durch, mit denen man die einzelnen Räume zu blauen, gelben oder grünen Salons machte. Mancherorts verwendete man auch <a href="Ledertapete" title="Ledertapete">Ledertapeten</a>, die geprägte Muster hatten, farbig gefasst und mit <a href="Blattgold" title="Blattgold">Blattgold</a> oder Silber verziert sein konnten (wie z.&nbsp;B. in der <a href="Moritzburg_(Sachsen)" title="Moritzburg (Sachsen)">Moritzburg</a> und im Palazzo Chigi in <a href="Ariccia" title="Ariccia">Ariccia</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Barockes_Mobiliar">Barockes Mobiliar</h4></div>
<p>Zu barocker Möbelkunst siehe:
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<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Louis-treize" title="Louis-treize">Louis-treize</a>, <a href="Louis-quatorze" title="Louis-quatorze">Louis-quatorze</a> und <a href="R%C3%A9gence" title="Régence">Régence</a></i></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Louis-quinze" title="Louis-quinze">Louis-quinze</a></i></div>

<p>Die Möbelkunst des Barock gestaltete sich ebenso vielfältig wie die Kunst und die Architektur, da die Kunstrichtung je nach Region zwischen 150 und 180 Jahre dauerte und sich regional verschieden entwickelte. Die stärksten Einflüsse kamen zunächst immer aus Italien, wo in der Frühzeit schwere Möbel dominierten und sich später zu bewegteren, geschwungeneren Formen veränderte. Besonders beliebt waren Spiegeln mit schweren Rahmen aus Venedig.
Der italienische Stil setzte sich in den meisten europäischen Ländern durch, besonders in der Residenzstadt Wien. Das hing u.&nbsp;a. auch damit zusammen, dass Habsburger Regenten häufig mit Prinzessinnen aus Italien verheiratet waren, die den Stil ihrer Heimat dorthin brachten.
</p><p>Später orientierten sich beinahe alle (katholischen) Europäer am Vorbild Frankreich. Unter den Möbeln dominierten reich verzierte Kommoden und Tische, deren Oberflächen zu kunstvollen Bildern oder Ornamenten aus verschiedenfarbigen Hölzern, Marmor, Metallen, Elfenbein oder Perlmutt zusammengesetzt sein können.
In Frankreich erreichte <a href="Andr%C3%A9-Charles_Boulle" title="André-Charles Boulle">André-Charles Boulle</a> auf diesem Gebiet die größte Kunstfertigkeit (s. <a href="Boullemarketerie" title="Boullemarketerie">Boulle-Technik</a>), weswegen er auch zum <i>ébéniste du roi</i> ernannt wurde. Wer diesen Titel führte, der sich auf Ebenholz bezog, hatte Anspruch auf ein jährliches Gehalt und Wohnung im Schloss von Versailles.
</p><p>Gefasste Möbel, bei denen helle Farben dominierten, verfügten meist über dekorative Beschläge aus Messing oder Bronze. In Italien dominierte <a href="Pietra_dura" title="Pietra dura">Pietra dura</a>, das man vor allem an Tischplatten und an der Vorderseite von Kabinettschränken einsetzte. Zentren der Pietra dura-Kunst waren <a href="Florenz" title="Florenz">Florenz</a> und <a href="Neapel" title="Neapel">Neapel</a>. Kabinettschränke waren im 17. Jahrhundert besonders beliebt. Es waren kleine, kostbar ausgestattete Schränke, die entweder auf einem (dafür gefertigten) Tisch oder auf einer Kommode standen.
</p><p>Beine von Stühlen, Tischen, <a href="Kommode" title="Kommode">Kommoden</a> und Schränken waren häufig geschnitzt, oft wurden Tiergestalten oder ihre Beine mit Pfoten als Motiv verwendet. Die Form der Möbel entwickelte sich parallel zur Architektur: zunächst waren sie geradlinig und schwer, später übernahmen sie – vor allem Kommoden und Schränke – die geschwungenen Formen von Fassaden.
Bei Stühlen und Fauteuils verwendete man für die Beine ebenfalls gerne Motive aus der Tierwelt. Die Polsterungen waren aus Brokat, Seide oder Samt, mitunter aus Webstoffen (wie für Wandteppiche).
</p>

<p>Was Betten anbelangt, so gab König Ludwig XIV. auch hier das Beispiel vor. Sein Bett mit Pfosten, schweren Vorhängen und oberer Abdeckung steht am Beginn der Entwicklung und im Zentrum des Schlosses von Versailles. – Betten hatten häufig Pfosten, eine obere Abdeckung und Vorhänge an allen Seiten, egal ob sie in Schlössern, in Bürger- oder in Bauernhäusern standen. Das war eine praktische Einrichtung, da man im Winter die Räume nicht ausreichend heizen konnte und die Bewohner über Zugluft und Kälte klagten. Aus diesem Grund stand das Bett häufig auch in einem <a href="Alkoven_(Bettnische)" title="Alkoven (Bettnische)">Alkoven</a>, wodurch man mehr Wärme erzielte.
</p><p>Eine bedeutende Rolle spielte in der barocken Epoche Geschirr aus <a href="Fayence" title="Fayence">Fayence</a> und <a href="Porzellan" title="Porzellan">Porzellan</a> (vorher hatte man je nach sozialer Herkunft und Vermögen auf Silber-, Zinn- oder Holztellern gegessen), das aus <a href="China" title="China">China</a> und <a href="Japan" title="Japan">Japan</a> exportiert wurde. <a href="Chinoiserie" title="Chinoiserie">Chinoiserien</a>, also Porzellanstücke, aber auch Zeichnungen und Möbel aus China erfreuten sich in dieser Epoche großer Beliebtheit, wovon bis heute erhaltene chinesische (Porzellan-)Kabinette in Schlössern zeugen.
Fayence und Porzellan wurde später auch in Europa hergestellt. Es dauerte allerdings eine Weile, bis man die richtige Zusammensetzung kannte und eine hohe Qualität erreichte. Zu den Produkten dieses Genres zählten auch kunstvoll bemalte Kacheln, die vor allem in den Niederlanden (in <a href="Delft" title="Delft">Delft</a>), sowie die <a href="Azulejo" title="Azulejo">Azulejos</a>, die in Portugal und Spanien hergestellt wurden. Später gelangten auch die Porzellanmanufakturen von Sachsen (<a href="Meissener_Porzellan" title="Meissener Porzellan">Meißen</a>), Wien (<a href="Porzellanmanufaktur_Augarten" title="Porzellanmanufaktur Augarten">Augarten</a>) und Preußen (die <a href="K%C3%B6nigliche_Porzellan-Manufaktur_Berlin" title="Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin">königlich preußische Manufaktur</a>) zu großem Ruhm.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barockmöbel: Tische und Konsolen</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Tisch mit Marqueterie, Pierre Gole, Paris, um 1660, Eiche und Obstgehölz mit Schildpatt, Elfenbein, vergoldeter Bronze, Ebenholz und anderen Hölzern, <a href="Metropolitan_Museum" class="mw-redirect" title="Metropolitan Museum">Metropolitan Museum</a>, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Tischplatte (des vorigen) mit Marqueterie, Pierre Gole, Paris, um 1660 (<a href="Louis-quatorze" title="Louis-quatorze">Louis XIV</a>), Eiche und Obstgehölz mit Schildpatt, Elfenbein, vergoldeter Bronze, Ebenholz und anderen Hölzern, Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Konsoltisch, Frankreich, ca. 1685–90 (<a href="Louis-quatorze" title="Louis-quatorze">Louis XIV</a>), <a href="Art_Institute_of_Chicago" title="Art Institute of Chicago">Art Institute of Chicago</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Tisch, ca. 1675–1725, <a href="Schloss_Skokloster" title="Schloss Skokloster">Schloss Skokloster</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Konsoltisch (Ende 17. Jahrhundert), Burchardt Precht (* 1651 in Bremen-1738 in Stockholm), Hallwyl Museum, Stockholm</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Konsoltisch mit vergoldeter Schnitzerei und Marmorplatte, römisch, ca. 1710, Möbelmuseum Mailand</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Pietra_dura" title="Pietra dura">Pietra-dura</a>-Tischplatte, Italien (Florenz&nbsp;?), 1. Viertel d. 18. Jahrhunderts, <a href="Warschauer_K%C3%B6nigsschloss" class="mw-redirect" title="Warschauer Königsschloss">Warschauer Königsschloss</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Spieltisch (u.&nbsp;a. mit eingebautem Schachbrett), Mainz, 1735, Cleveland Museum of Art</div>
</li>
</ul>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barockmöbel: Stühle</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl, britisch, um 1680, <a href="Metropolitan_Museum" class="mw-redirect" title="Metropolitan Museum">Metropolitan Museum</a>, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl, britisch, um 1690, Nussbaum, Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl mit Genueser Samtbezug, britisch, um 1700, Birke (geschwärzt), Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Englischer Barock-Stuhl (Polsterung modern), London, ca. 1690–1700, <a href="Art_Institute_of_Chicago" title="Art Institute of Chicago">Art Institute of Chicago</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl, <a href="Bergamo" title="Bergamo">Bergamo</a>, ca. 1700–25, Möbelmuseum <a href="Mailand" title="Mailand">Mailand</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl, <a href="Rom" title="Rom">römisch</a>, ca. 1700–25, Nussbaum, vergoldet, und Samt</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl mit Beauvais-Tapisserie nach <a href="Jean_B%C3%A9rain_der_%C3%84ltere" title="Jean Bérain der Ältere">Jean Bérain</a>, 1715–20 (style <a href="R%C3%A9gence" title="Régence">Régence</a>), Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Canap%C3%A9" title="Canapé">Canapé</a> und <a href="Fauteuil" title="Fauteuil">Fauteuils</a> „à la reine“ aus dem Hôtel von <a href="Pierre_Crozat" title="Pierre Crozat">Pierre Crozat</a> in der Rue de Richelieu, 1710–20 (Style Régence), Département des objets d'arts, <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a>, Paris</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Rokoko-Stuhl aus rotem Lack, Giles Grendey, ca. 1735, <a href="Art_Institute_of_Chicago" title="Art Institute of Chicago">Art Institute of Chicago</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Armstuhl mit <a href="Tapisserie" class="mw-redirect" title="Tapisserie">Tapisserie</a>, britisch und französisch (wahrschnl. <a href="Beauvais" title="Beauvais">Beauvais</a>), ca. 1755–65, Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Stühle „à la reine“, ca. 1760 (style <a href="Louis-quinze" title="Louis-quinze">Louis XV</a>), <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a>, Paris</div>
</li>
</ul>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barockmöbel: Kabinettschränke</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Kabinettschrank" title="Kabinettschrank">Kabinettschrank</a>, ca. 1630, <a href="Philipp_Hainhofer" title="Philipp Hainhofer">Philipp Hainhofer</a> (1578–1647), <a href="Augsburg" title="Augsburg">Augsburg</a>, Ebenholz, Elfenbein, Holz (Relief), vergoldete Bronze, Eisen, <a href="Art_Institute_of_Chicago" title="Art Institute of Chicago">Art Institute of Chicago</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank aus Ebenholz, <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> ca. 1645, und Stühle (style <a href="Louis-treize" title="Louis-treize">Louis XIII</a>), <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a>, Paris</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank, <a href="Flandern" title="Flandern">Flandern</a>, 17. Jahrhundert, Ebenholz und Schildpatt, Museo Nacional de Artes Decorativas, <a href="Madrid" title="Madrid">Madrid</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank, Flandern, 17. Jahrhundert, Ebenholz und Schildpatt, Museum der Jagiellonen-<a href="Universit%C3%A4t_Krakau" class="mw-redirect" title="Universität Krakau">Universität Krakau</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kunstschrank mit mythologischen Darstellungen (Schule von <a href="Peter_Paul_Rubens" title="Peter Paul Rubens">Rubens</a>), ca. 1650, diverse Hölzer (Linde, Ebenholz), Elfenbein, Kupfer, Kupfer, Schildpatt, Glas. <a href="Rijksmuseum_Amsterdam" title="Rijksmuseum Amsterdam">Rijksmuseum Amsterdam</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank mit <a href="Islamisch" class="mw-redirect" title="Islamisch">islamischem</a> Design, <a href="Spanien" title="Spanien">Spanien</a>, 17. Jahrhundert, Holz, Elfenbein und Metall, <a href="Honolulu_Museum_of_Art" title="Honolulu Museum of Art">Honolulu Museum of Art</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank, <a href="England" title="England">England</a>, ca. 1680, Nussbein mit Intarsien aus Elfenbein, diversen Hölzer, Messing, <a href="Montreal_Museum_of_Fine_Arts" class="mw-redirect" title="Montreal Museum of Fine Arts">Montreal Museum of Fine Arts</a>, Montreal</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kabinettschrank mit Intarsien aus verschiedenen Hölzern (Rosenholz, Ölbaum, Ebenholz, Holunder, Tulpenbaum, Berberitze), Jan van Mekeren, Amsterdam, ca. 1700–1710, Metropolitan Museum, New York</div>
</li>
</ul>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barockmöbel: Kommoden</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Schrank (228,5 × 225 × 89,5&nbsp;cm), <a href="Danzig" title="Danzig">Danzig</a>, ca. 1670–80, Linden- und Nussholzfurnier auf Kiefer, Zinn und Zink auf Messing, <a href="Nationalmuseum_Warschau" title="Nationalmuseum Warschau">Nationalmuseum Warschau</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Kommode" title="Kommode">Kommode</a> von <a href="Andr%C3%A9-Charles_Boulle" title="André-Charles Boulle">André-Charles Boulle</a>, ca. 1690, Boulle-Marketerie mit diversen Hölzern, Schildpatt, vergoldetem Messing, <a href="Cleveland_Museum_of_Art" title="Cleveland Museum of Art">Cleveland Museum of Art</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><i>Commode mazarine</i>, Thomas Hache zugeschrieben (1664–1747), um 1700, Musée des Hospices civils de <a href="Lyon" title="Lyon">Lyon</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kommode, deutsch, ca. 1725, diverse Hölzer (Nussbaum, Eiche, Obstbäume), <a href="Honolulu_Museum_of_Art" title="Honolulu Museum of Art">Honolulu Museum of Art</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Kommode, Jean-Pierre Latz, Paris, ca. 1740–45, und ein Paar Kandelaber von <a href="Juste-Aur%C3%A8le_Meissonnier" title="Juste-Aurèle Meissonnier">Juste-Aurèle Meissonnier</a>, ca. 1729, (style <a href="Louis-quinze" title="Louis-quinze">Louis XV</a>), <a href="Museu_Calouste_Gulbenkian" title="Museu Calouste Gulbenkian">Museu Calouste Gulbenkian</a>, Lissabon</div>
</li>
</ul>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption">Barockmöbel: Sekretäre</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Sekret%C3%A4r" title="Sekretär">Sekretär</a>, Pierre Gole zugeschrieben (1620–?), ca. 1660 (?)</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Schreibtisch, ca. 1720, Heinrich Ludwig Rohde oder Ferdinand Plitzner (zugeschr.), Marqueterie mit Ahorn, Amaranth, Mahagoni, Nussbaum auf Fichte und Eiche, Art Institute of Chicago</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Sekretär in Boulletechnik, Gilles Joubert, ca. 1755, Speed Art Museum, Kentucky</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gartenbau">Gartenbau</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Barockgarten" title="Barockgarten">Barockgarten</a></i></div>
<p>Die Entwicklung des Gartenbaus nahm in Europa seit dem Mittelalter eine besondere Entwicklung. Zunächst gab es die Nutzgärten der Klöster, die in Küchengärten und Heilmittelgärten geteilt waren. Ab der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> erlebte der Garten v.&nbsp;a. in den südeuropäischen Ländern eine Aufwertung und wurde auch im profanen, also im nicht-klösterlichen, Bereich übernommen. Man verwendete ihn einerseits als Nutzgarten, andererseits aber auch zu Erholungszwecken.
Geometrische Anlage und das Spiel mit den Farben waren seit in der Renaissance beliebt (s. <a href="Schloss_Villandry" class="mw-redirect" title="Schloss Villandry">Schloss Villandry</a>), da man sich mit zunehmendem Interesse an Kunst auch der kunstvollen Schönheit des Gartens erfreuen wollte. Im Barock erlebte die Entwicklung einen neuen Höhepunkt. Regelmäßige, geometrisch geplante Beete mit ornamentalen farbigen Elementen prägten die Gartenanlage, die die Kunst der Architektur und des Gebäude-Inneren in der Natur fortsetzen sollte. Die <a href="Sala_terrena" title="Sala terrena">Sala terrena</a> bildete den harmonischen Übergang vom kunstvoll ausgestatteten Innenraum in die nicht minder kunstvoll gestaltete Natur.
</p><p>Wie schon bei Architektur und Kunst stand auch bei der Gestaltung des Barockgartens Frankreich und hier wiederum Versailles am Beginn der Entwicklung. Als Schöpfer gelten König Ludwig XIV. und sein genialer Gärtner <a href="Andr%C3%A9_Le_N%C3%B4tre" title="André Le Nôtre">André Le Nôtre</a> (1613–1700). Der Park von Versailles mit <a href="Wasserspiele" title="Wasserspiele">Wasserspielen</a>, <a href="Parterre_(Gartenkunst)" title="Parterre (Gartenkunst)">Blumenparterres</a> und <a href="Boskett" title="Boskett">Bosketten</a> entstand in einem ursprünglich ungeeigneten, sumpfigen Gebiet, das in jahrelanger Arbeit nutzbar gemacht werden musste.
König Ludwig XIV war die Anlage des Parks ein großes Anliegen, nicht nur wegen der Schönheit, sondern auch um der Welt zu zeigen, dass man sich auch die Natur untertan machen kann. Wasser musste in eigens dafür gebauten Anlagen von Flüssen herbeigeholt werden, Pumpen und Rohrsysteme bildeten die Basis für die raffinierten Wasserspiele der Brunnen, riesige Mengen Erdreichs wurde ausgehoben, um Terrassen anzulegen und ausgewachsene Bäume mussten an anderer Stelle ausgegraben und nach Versailles gebracht werden, da der König noch zu Lebzeiten den „fertigen“ Park genießen wollte.
</p><p>Le Nôtre bediente sich bei der Anlage auch der neuesten Erkenntnisse der <a href="Perspektive" title="Perspektive">Perspektive</a>. Es wurden Fluchtlinien angelegt, sodass man von jedem Standpunkt aus interessante Blickwinkel hatte. Statuen, Vasen und Brunnen wurden als Schmuck für die Anlage bestellt und im Park verteilt.
Wie schon die Architektur von Schloss Versailles ideengebend für alle nachfolgenden repräsentativen Gebäude wurde, so übernahm man auch in etlichen europäischen Residenzen das Muster der Parkanlage, wie z.&nbsp;B. in <a href="Schloss_Sch%C3%B6nbrunn" title="Schloss Schönbrunn">Schloss Schönbrunn</a> in Wien, beim <a href="Schlosspark_Nymphenburg" title="Schlosspark Nymphenburg">Schlosspark Nymphenburg</a>, beim Park von <a href="Schl%C3%B6sser_Augustusburg_und_Falkenlust" title="Schlösser Augustusburg und Falkenlust">Schloss Augustusburg bei Brühl</a>, der <a href="Schloss_Delitzsch#Barockgarten" title="Schloss Delitzsch">Barockgarten Delitzsch</a> oder beim <a href="Gro%C3%9Fer_Garten_Hannover-Herrenhausen" title="Großer Garten Hannover-Herrenhausen">Großen Garten</a> in <a href="Hannover" title="Hannover">Hannover</a>.
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Schlossgarten <a href="Schloss_Vaux-le-Vicomte" title="Schloss Vaux-le-Vicomte">Vaux-le-Vicomte</a></div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Bassin der <a href="Leto_(Mythologie)" title="Leto (Mythologie)">Latona</a> im Park von <a href="Schloss_Versailles" title="Schloss Versailles">Versailles</a></div>
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<div class="gallerytext"><a href="Schloss_Nymphenburg" title="Schloss Nymphenburg">Schloss Nymphenburg</a>, Parkanlage um 1761</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Parterre_(Gartenkunst)" title="Parterre (Gartenkunst)">Parterre</a> mit Brunnen im <a href="Gro%C3%9Fer_Garten_Hannover-Herrenhausen" title="Großer Garten Hannover-Herrenhausen">Großen Garten</a> in <a href="Hannover" title="Hannover">Hannover</a></div>
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<div class="gallerytext"><a href="Mirabellgarten" title="Mirabellgarten">Mirabellgarten</a> in <a href="Salzburg" title="Salzburg">Salzburg</a></div>
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<div class="gallerytext"><a href="Schweriner_Schlossgarten" title="Schweriner Schlossgarten">Schweriner Schlossgarten</a> (ab 1748)</div>
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Skulptur">Skulptur</h3></div>
<p>Skulpturen bildeten im Barock einen wichtigen Bestandteil der Architektur und der Parkanlagen. Sie schmücken Fassaden, Innenräume, im Speziellen Kirchen, wo sie sich am häufigsten an Portalen und auf Altären befinden, und gehören zum beliebten Sammelgut, mit dem der Bauherr den Park und repräsentative Räume seines Palastes bestückte. Die Kunstwerke sind durch einen starken Bewegungsreichtum gekennzeichnet und sollen, wenn sie frei im Raum stehen, von allen Seiten über dramatischen Ausdruck verfügen. Das Licht- und Schattenspiel sollte ihn noch verstärken.
</p><p>In <a href="Italien" title="Italien">Italien</a> brachte <a href="Gian_Lorenzo_Bernini" title="Gian Lorenzo Bernini">Gian Lorenzo Bernini</a> (1598–1680) die plastische Kunst zu höchster Entfaltung. Die Verklärung der hl Theresa, der Raub der Proserpina, Apollo und Daphne und die Büste König Ludwig XIV. zählen zu seinen bedeutendsten Werken. Unter den französischen Bildhauern ist an vorderster Stelle <a href="Fran%C3%A7ois_Girardon" title="François Girardon">François Girardon</a> (1628–1715) zu nennen, der das Grabmal Kardinal Richelieus schuf und der wie auch <a href="Jean-Baptiste_Tuby" title="Jean-Baptiste Tuby">Jean-Baptiste Tuby</a> (1635–1700) und die Gebrüder Gaspard (ca. 1624–1681) und Balthazar Marsy (1628–1674) etliche Statuen und Brunnenfiguren für den Schlosspark von Versailles schuf.
</p><p>Auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, das Österreich und die deutschen Fürstentümer umfasste, gehörten <a href="Giovanni_Giuliani" title="Giovanni Giuliani">Giovanni Giuliani</a> (1664–1744), <a href="Balthasar_Permoser" title="Balthasar Permoser">Balthasar Permoser</a> (1651–1732), <a href="Georg_Raphael_Donner" title="Georg Raphael Donner">Georg Raphael Donner</a> (1693–1741), <a href="Franz_Xaver_Messerschmidt" title="Franz Xaver Messerschmidt">Franz Xaver Messerschmidt</a> (1736–1783) und <a href="Egid_Quirin_Asam" title="Egid Quirin Asam">Egid Quirin Asam</a> (1692–1750) zu den bedeutendsten Künstlern. Giovanni Giuliani erregte erste Aufmerksamkeit mit der Ausstattung des <a href="Winterpalais_Prinz_Eugen" title="Winterpalais Prinz Eugen">Winterpalais Prinz Eugens</a> in der Wiener Innenstadt und des <a href="Palais_Liechtenstein_(F%C3%BCrstengasse)" title="Palais Liechtenstein (Fürstengasse)">Sommerpalais Liechtenstein</a> in der Rossau, damals vor den Toren der Stadt gelegen. Georg Raphael Donner, ein Schüler Giovanni Giulianis, schuf die prachtvolle Marmorstiege in <a href="Schloss_Mirabell" title="Schloss Mirabell">Schloss Mirabell</a> in Salzburg, in Wien stellt der <a href="Donnerbrunnen" title="Donnerbrunnen">Providentia Brunnen</a> auf dem Neuen Markt, der im Volksmund Donner-Brunnen genannt wird, sein Hauptwerk dar.
Die Werke Balthasar Permosers finden sich in etlichen deutschen Residenzen, in Dresden, im <a href="Schweriner_Schlossgarten" title="Schweriner Schlossgarten">Schweriner Schlossgarten</a> und in Wien – im Unteren Belvedere steht die Apotheose Prinz Eugens, die zu seinen Meisterwerken zählt. Eine Ausnahmeerscheinung stellt das Werk Franz Xaver Messerschmidts dar. Seine berühmten Charakterköpfe, eine Serie von über 50 Selbstporträt-Büsten, zeigen alle Arten von physiognomischen Zuständen bis zu extremen Grimassen. Egid Quirin Asam entstammte der bekannten Künstlerfamilie Asam. Als Bildhauer, er war auch Maler, schuf er den Hochaltar der Klosterkirche Rohr und gemeinsam mit seinem Bruder Cosmas Damian die <a href="Asamkirche_(M%C3%BCnchen)" title="Asamkirche (München)">Johann Nepomuk-Kirche oder Asam-Kirche in München</a>.
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<div class="gallerytext"><a href="Gian_Lorenzo_Bernini" title="Gian Lorenzo Bernini">Gian Lorenzo Bernini</a>: <i><a href="Apollo_und_Daphne" title="Apollo und Daphne">Apollo und Daphne</a></i>, 1622, <a href="Villa_Borghese_(Rom)" title="Villa Borghese (Rom)">Villa Borghese</a>, Rom</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Gian_Lorenzo_Bernini" title="Gian Lorenzo Bernini">Gian Lorenzo Bernini</a>: <i>Verzückung der heiligen Teresia</i>, um 1652, <a href="Santa_Maria_della_Vittoria_(Rom)" title="Santa Maria della Vittoria (Rom)">Santa Maria della Vittoria</a>, Rom</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Fran%C3%A7ois_Girardon" title="François Girardon">François Girardon</a>: <i>Grabmal des <a href="Armand-Jean_du_Plessis%2C_duc_de_Richelieu" title="Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu">Kardinals de Richelieu</a></i>, urspr. in der Kirche der <a href="Sorbonne" title="Sorbonne">Sorbonne</a>, heute <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a>, Paris</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Antoine_Coysevox" title="Antoine Coysevox">Antoine Coysevox</a>: <i><a href="Hermes" title="Hermes">Merkur</a> und <a href="Pegasos_(Mythologie)" title="Pegasos (Mythologie)">Pegasus</a></i>, urspr. für <a href="Schloss_Marly-le-Roi" title="Schloss Marly-le-Roi">Schloss Marly</a>, heute: <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a>, Paris</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Balthasar_Permoser" title="Balthasar Permoser">Balthasar Permoser</a>: <a href="****_mit_der_Smaragdstufe" class="mw-redirect" title="**** mit der Smaragdstufe">Mohr mit Smaragdstufe</a>, um 1724, <a href="Gr%C3%BCnes_Gew%C3%B6lbe" title="Grünes Gewölbe">Grünes Gewölbe</a> in Dresden</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Furienmeister" title="Furienmeister">Furienmeister</a>: <i>Die Furie</i>, um 1610, <a href="Kunsthistorisches_Museum_Wien" title="Kunsthistorisches Museum Wien">Kunsthistorisches Museum Wien</a></div>
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<div class="gallerytext"><a href="Putto" title="Putto">Putte</a> im <a href="Kloster_Obermarchtal" title="Kloster Obermarchtal">Kloster Obermarchtal</a></div>
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<div class="gallerytext"><a href="David_Heschler" title="David Heschler">David Heschler</a>: Pluto raubt Proserpina, Ulm um 1650, Elfenbein <a href="Bayerisches_Nationalmuseum" title="Bayerisches Nationalmuseum">Bayerisches Nationalmuseum</a></div>
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</ul></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Malerei">Malerei</h3></div>

<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Barock_(Malerei)" title="Barock (Malerei)">Barock (Malerei)</a></i></div>
<p>Die Malerei bildete wie die Skulptur und die Stuckatur einen wichtigen Beitrag der Dekoration barocker Architektur. Besonders hervorzuheben sind die oft riesigen Deckengemälde (häufig in <a href="Fresko" title="Fresko">Freskotechnik</a>) in Kirchengewölben oder an den Decken repräsentativer Säle und Stiegenhäuser.
Einen besonderen Effekt erreichte man mit <a href="Perspektivische_Verk%C3%BCrzung" title="Perspektivische Verkürzung">perspektivischen Ansichten</a> (hauptsächlich an Decken), mit Hilfe derer man Architekturen und Landschaften <a href="Trompe-l%E2%80%99%C5%93il" title="Trompe-l’œil">illusionistisch</a> vergrößerte/verlängerte. Die Technik stammt aus der Theatermalerei. <a href="Andrea_Pozzo" title="Andrea Pozzo">Andrea Pozzo</a> war ein Meister dieses Fachs, sein Deckenfresko in der Kirche Sant´ Ignazio in Rom stellt einen Höhepunkt dieser Technik dar. Diese Landschafts- oder Himmelsstaffagen wurden dicht mit Figuren gefüllt. Licht und Schatten verstärkten die Effekte der Illusionsmalerei. Beliebte Themen waren Szenen aus der Bibel, Allegorien und historische Darstellungen.
</p><p>Auch bei der Malerei auf Leinwand dominierten große Gemälde, die man häufig in prunkvolle Goldrahmen gab, um repräsentative Säle zu schmücken und damit die Bedeutung des Bauherren zu erhöhen. Auch hier kam die künstlerische Anregung aus Italien. <a href="Annibale_Carracci" title="Annibale Carracci">Annibale Carracci</a> (1560–1609), <a href="Michelangelo_Merisi_da_Caravaggio" title="Michelangelo Merisi da Caravaggio">Michelangelo Merisi da Caravaggio</a> (1571–1610) und <a href="Guido_Reni" title="Guido Reni">Guido Reni</a> (1575–1642) stehen am Beginn der Entwicklung. Carraccis bedeutendstes Werk ist allerdings das <a href="Palazzo_Farnese_(Rom)" title="Palazzo Farnese (Rom)">Deckenfresko im Palazzo Farnese</a> in Rom, so wie das Deckengemälde <a href="Pietro_da_Cortona" title="Pietro da Cortona">Pietro da Cortonas</a> (1596–1669) im <a href="Palazzo_Barberini" title="Palazzo Barberini">Palazzo Barberini</a> in Rom und <a href="Luca_Giordano" title="Luca Giordano">Luca Giordanos</a> (1634–1705) Ausmalung der Decke im <a href="Palazzo_Medici_Riccardi" title="Palazzo Medici Riccardi">Palazzo Medici-Riccardi</a> in Florenz.
<a href="Giovanni_Battista_Piazzetta" title="Giovanni Battista Piazzetta">Giovanni Battista Piazzetta</a> (1682–1754) gilt als einer der Wegweiser des <i>Chiaroscuro</i> (der Hell-Dunkel-Malerei). Auch er schuf ein bedeutendes Deckengemälde, das sich in der Kirche Santi Giovanni e Paolo in Venedig befindet, es ist allerdings kein Fresko, sondern ein Leinwandbild. Ein italienischer Maler, der auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschland tätig war, ist <a href="Giovanni_Battista_Tiepolo" title="Giovanni Battista Tiepolo">Giovanni Battista Tiepolo</a> (1696–1770). Die Ausmalung der Decke der fürstbischöflichen Residenz in Würzburg stellt sein bekanntestes Werk dar.
</p><p>Mehrere aus Frankreich stammende Maler wirkten im Frühbarock in Italien, wie <a href="Nicolas_Poussin" title="Nicolas Poussin">Nicolas Poussin</a> (1594–1665) und <a href="Claude_Lorrain" title="Claude Lorrain">Claude Lorrain</a> (1600–1682). Viele Künstler studierten auch an der <a href="Acad%C3%A9mie_de_France_%C3%A0_Rome" title="Académie de France à Rome">Académie de France à Rome</a>, die 1666 eingerichtet worden war, um talentierten Studenten die Möglichkeit zu geben, die großen Kunstwerke Italiens kennenzulernen und zunächst einmal, um sie zu kopieren. Das bildete die Basis für die weitere Laufbahn, die meist wieder in Frankreich fortgeführt wurde. Viele der bekanntesten Maler, wie <a href="Charles_Le_Brun" title="Charles Le Brun">Charles Lebrun</a>, waren mit der Ausstattung von Schloss Versailles beschäftigt.
</p>

<p>Auch auf dem Gebiet des heutigen Österreich erlebte die barocke Malerei einen Höhepunkt. In und um die Kaiserstadt Wien, die das kulturelle Zentrum des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation war, wirkte <a href="Andrea_Pozzo" title="Andrea Pozzo">Andrea Pozzo</a>, der für seine Deckenfresken in Kirchen berühmt war, aber auch für seine Theater-Dekorationen. Dekorationsmalerei wurde nicht nur für Theateraufführungen, sondern auch für Trauer- oder Festgerüste gebraucht oder um einen fehlenden Altar kurzfristig durch einen aus Holz zu ersetzen und künstlerisch zu gestalten.
In seiner Tradition und Nachfolge steht <a href="Giuseppe_Galli_da_Bibiena" title="Giuseppe Galli da Bibiena">Giuseppe Galli da Bibiena</a>, der gemeinsam mit seinem Vater, seinem Onkel und Brüdern Theaterdekorationen in Schlössern, Palästen und in der Alten Universität Wiens schuf. Zu den bekannten Freskomalern der Zeit zählten <a href="Johann_Michael_Rottmayr" title="Johann Michael Rottmayr">Johann Michael Rottmayr</a> (Deckengemälde Karlskirche in Wien), <a href="Paul_Troger" title="Paul Troger">Paul Troger</a> (Deckengemälde Marmorsaal in Stift Melk und Kaiserstiege in Stift Göttweig) und <a href="Franz_Anton_Maulbertsch" title="Franz Anton Maulbertsch">Franz Anton Maulbertsch</a> (Kuppelfresko der Piaristenkirche). <a href="Martin_Johann_Schmidt" title="Martin Johann Schmidt">Martin Johann Schmidt</a> stattete zahlreiche Kirchen mit Tafelbildern aus und der in Venedig geborene <a href="Bernardo_Bellotto" title="Bernardo Bellotto">Canaletto</a>, eigentlich Bernardo Bellotto, schuf Veduten der bedeutendsten Städte Europas.
</p><p>Die barocke spanische Malerei erlebte ihren Höhepunkt im 17. Jahrhundert, dem <i>siglo de oro</i> (= dem goldenen Jahrhundert). Die bekanntesten Vertreter waren <a href="Jusepe_de_Ribera" title="Jusepe de Ribera">Jusepe de Ribera</a> (1591–1652), <a href="Diego_Vel%C3%A1zquez" title="Diego Velázquez">Diego Velázquez</a> (1599–1660) und <a href="Bartolom%C3%A9_Esteban_Murillo" title="Bartolomé Esteban Murillo">Bartolomé Esteban Murillo</a> (1618–1682).
</p><p>Auch in den Niederlanden entwickelte sich die Barockmalerei am stärksten im 17.&nbsp;Jahrhundert, das als das <i>gouden eeuw</i> (= das goldene Jahrhundert) bezeichnet wird. Die politische Trennung in ein katholisches <a href="Flandern" title="Flandern">Flandern</a> und ein protestantisches <a href="Holland" title="Holland">Holland</a> schlägt sich in abweichenden stilistischen Tendenzen nieder: In Flandern dominiert ein bewegter, malerisch flüssiger Stil mit den Hauptvertretern <a href="Peter_Paul_Rubens" title="Peter Paul Rubens">Peter Paul Rubens</a> (1577–1640), <a href="Jacob_Jordaens" title="Jacob Jordaens">Jacob Jordaens</a> (1593–1678) und <a href="Anthonis_van_Dyck" title="Anthonis van Dyck">Anthonis Van Dyck</a> (1599–1641), in Holland der Realismus mit zahlreichen wichtigen Spezialisten für Landschaft, Stillleben, Porträt-, Historien- und Genremalerei, herausragend insbesondere <a href="Rembrandt_van_Rijn" title="Rembrandt van Rijn">Rembrandt van Rijn</a> (1606–1669) und <a href="Jan_Vermeer" title="Jan Vermeer">Jan Vermeer</a> van Delft (1632–1675).
</p>
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<li class="gallerycaption">Gemälde und Fresken aus der Zeit des Barock</li>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Annibale_Carracci" title="Annibale Carracci">Annibale Carracci</a>:<br><i>Mariä Himmelfahrt</i>, Ölgemälde um 1590, <a href="Museo_del_Prado" title="Museo del Prado">Museo del Prado</a> in Madrid</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Peter_Paul_Rubens" title="Peter Paul Rubens">Peter Paul Rubens</a>:<br><i>Der Sturz des <a href="Phaethon_(Mythologie)" title="Phaethon (Mythologie)">Phaeton</a></i>, Ölgemälde um 1640, Museo del Prado</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Rembrandt_van_Rijn" title="Rembrandt van Rijn">Rembrandt van Rijn</a>:<br><i><a href="Die_Nachtwache" title="Die Nachtwache">Die Nachtwache</a></i>, Ölgemälde um 1642, Rijksmuseum in Amsterdam</div>
</li>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Diego_Vel%C3%A1zquez" title="Diego Velázquez">Diego Velázquez</a>:<br><i><a href="Die_Spinnerinnen" title="Die Spinnerinnen">Las Hilanderas</a></i>, Ölgemälde um 1657, Museo del Prado</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Bartolom%C3%A9_Esteban_Murillo" title="Bartolomé Esteban Murillo">Bartolomé Esteban Murillo</a>: <i>Maria Immaculata</i>, <i>Walpole</i> (oder <i>Himmelfahrt</i>&nbsp;?), ca. 1680, <a href="Eremitage_(Sankt_Petersburg)" title="Eremitage (Sankt Petersburg)">Eremitage</a>, St. Petersburg</div>
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</ul></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Musik">Musik</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Barockmusik" title="Barockmusik">Barockmusik</a></i></div>


<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Merkmale">Merkmale</h3></div>
<p>Die Musik des Barock durchläuft eine ähnliche Entwicklung wie alle Kunstarten. Wesentliche Eigenschaft des Barockzeitalters war das <i>konzertante Prinzip</i>, in dem verschiedene Stimmen oder Stimmgruppen, instrumental oder vokal, miteinander wetteifern. Es bildete sich der Akzentstufentakt heraus. Das moderne <a href="Dur" title="Dur">Dur</a>-<a href="Moll_(Musik)" class="mw-redirect" title="Moll (Musik)">Moll-Tonsystem</a> löste die alten Kirchentonarten ab. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es fest eingeführt und eröffnete adäquate Möglichkeiten, in der Musik die für die Epoche so bedeutende Dynamik, Spannungen und Gefühle auszudrücken. Dabei wurden Emotionen gewissermaßen standardisiert behandelt gemäß einer <i>Affektenlehre</i>.
Zu Beginn des 17.&nbsp;Jahrhunderts setzte sich die <i><a href="Monodie" title="Monodie">Monodie</a></i> durch, akkordbegleiteter Sologesang, um die expressive Singstimme aus dem polyphonen Geflecht freizuspielen. Als neue Technik wurden nur die obere (<a href="Diskant" class="mw-redirect" title="Diskant">Diskant</a>) und die untere Stimme (<a href="Basslinie" title="Basslinie">Bass</a>) notiert, während die konkrete Ausgestaltung der Akkorde der Improvisation überlassen blieb. Diese Art des Musizierens wird als <a href="Generalbass" title="Generalbass">Generalbassspiel</a> bezeichnet, weshalb man die musikalische Epoche auch das Generalbass-Zeitalter nennt. Die Instrumente waren in der Regel frei wählbar, verwendet wurden etwa <a href="Cembalo" title="Cembalo">Cembalo</a>, <a href="Laute" title="Laute">Laute</a> oder <a href="Theorbe" title="Theorbe">Theorbe</a>, für den Bass <a href="Fagott" title="Fagott">Fagott</a> oder <a href="Cello" class="mw-redirect" title="Cello">Cello</a>. Weitere wichtige Musikinstrumente im Barock sind <a href="Orgel" title="Orgel">Orgel</a> und Streich- und Holzblasinstrumente. Sie klangen leiser und weicher als die später verwendeten Instrumente und entsprachen dem damals herrschenden Ideal, der menschlichen Stimme ähnlich zu sein.
</p><p>Typische Formen der Barockmusik sind die <a href="Oper" title="Oper">Oper</a>, die <a href="Kantate" title="Kantate">Kantate</a>, das <a href="Oratorium" title="Oratorium">Oratorium</a>, die <a href="Fuge_(Musik)" title="Fuge (Musik)">Fuge</a>, die <a href="Suite_(Musik)" title="Suite (Musik)">Suite</a>, die <a href="Sonate" title="Sonate">Sonate</a>. Zum Wesen der Barockmusik gehört, dass sie Einzelteile zu einem größeren Ganzen vereinigt. So werden Tänze zu Suiten (<a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">französisch</a> <i>suite =</i> Folge) zusammengefasst, Lieder und <a href="Chor_(Musik)" title="Chor (Musik)">Chöre</a> zu Kantaten (<a href="Italienische_Sprache" title="Italienische Sprache">italienisch</a> <i>cantata =</i> Singstück). Am perfektesten verwirklichte sich das Zusammenwirken aller Künste in der Oper, in der Wort, Musik, Handlung, Bühnentechnik und Bühnenbild ein Gesamtkunstwerk bildeten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Wichtige_Barockkomponisten">Wichtige Barockkomponisten</h3></div>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Liste_von_Barockkomponisten" title="Liste von Barockkomponisten">Liste von Barockkomponisten</a></div>
<p>Die Musik des Barock nahm in Italien ihren Anfang. Vor allem die Erfindung der <a href="Oper" title="Oper">Oper</a> und des <a href="Belcanto" title="Belcanto">Ziergesangs</a> sowie die Ausprägung einer virtuosen und solistischen Instrumentalmusik sind auf diesen Ursprung zurückzuführen. Die Kunst wurde nach und nach in (fast) allen europäischen Ländern übernommen. Die bedeutendsten Opernkomponisten des Frühbarock waren <a href="Claudio_Monteverdi" title="Claudio Monteverdi">Claudio Monteverdi</a> (1567–1643), der auch als Kirchenkomponist unübertreffliche Werke schuf, und der Venezianer Francesco <a href="Francesco_Cavalli" title="Francesco Cavalli">Cavalli</a> (1602–1676).
Der aus Rom stammende <a href="Giacomo_Carissimi" title="Giacomo Carissimi">Giacomo Carissimi</a> (1605–1674) übertrug die Merkmale der Oper in die sakrale Form des <a href="Oratorium" title="Oratorium">Oratoriums</a>. Von da führt die Entwicklung weiter über die Werke <a href="Alessandro_Stradella" title="Alessandro Stradella">Alessandro Stradellas</a> (1643–1682), <a href="Alessandro_Scarlatti" title="Alessandro Scarlatti">Alessandro Scarlattis</a> (1660–1725) und <a href="Giovanni_Bononcini" title="Giovanni Bononcini">Giovanni Bononcinis</a> (1670–1747) bis zur <a href="Neapolitanische_Schule_(Musik)" title="Neapolitanische Schule (Musik)">neapolitanischen Schule</a> im Spätbarock, zu denen auch der früh verstorbene <a href="Giovanni_Battista_Pergolesi" title="Giovanni Battista Pergolesi">Giovanni Battista Pergolesi</a> (1710–1736) gehörte. In der Instrumentalmusik übten insbesondere die Tastenvirtuosen <a href="Girolamo_Frescobaldi" title="Girolamo Frescobaldi">Girolamo Frescobaldi</a> (1583–1643) und <a href="Domenico_Scarlatti" title="Domenico Scarlatti">Domenico Scarlatti</a> (1685–1757) sowie die Violinvirtuosen <a href="Arcangelo_Corelli" title="Arcangelo Corelli">Arcangelo Corelli</a> (1653–1713) und <a href="Antonio_Vivaldi" title="Antonio Vivaldi">Antonio Vivaldi</a> (1678–1741) einen starken Einfluss – u.&nbsp;a. auch auf deutsche Komponisten wie Händel und Bach – aus. Vivaldi prägte die Ritornellform des Instrumentalkonzerts der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zählt heute zu den meistgespielten Komponisten des Barock.
</p><p>In Deutschland beginnt die Zeit des Frühbarock mit <a href="Johann_Hermann_Schein" title="Johann Hermann Schein">Johann Hermann Schein</a> (1586–1630), <a href="Samuel_Scheidt" title="Samuel Scheidt">Samuel Scheidt</a> (1587–1654) und <a href="Heinrich_Sch%C3%BCtz" title="Heinrich Schütz">Heinrich Schütz</a> (1585–1672), dem Hauptvertreter des geistlichen Konzerts. Von Scheidt, vom Niederländer <a href="Jan_Pieterszoon_Sweelinck" title="Jan Pieterszoon Sweelinck">Jan Pieterszoon Sweelinck</a> (1562–1621), vom bereits genannten Italiener Frescobaldi und vom Nürnberger <a href="Johann_Pachelbel" title="Johann Pachelbel">Johann Pachelbel</a> (1653–1706) empfing die <a href="Orgel" title="Orgel">Orgel</a>kunst starke Anregungen. Als größter Meister an der Orgel – vor Johann Sebastian Bach – gilt dessen Lehrer, der in <a href="L%C3%BCbeck" title="Lübeck">Lübeck</a> tätige <a href="Dietrich_Buxtehude" class="mw-redirect" title="Dietrich Buxtehude">Dietrich Buxtehude</a> (1637–1707).
</p><p>Englands größtes Musikgenie des Barockzeitalters war in allen Gattungen der Musik <a href="Henry_Purcell" title="Henry Purcell">Henry Purcell</a> (1659–1695), dessen Werke sich bis heute auf den Spielplänen der Opernhäuser befinden.
</p><p>Der tanzbegeisterte Ludwig XIV. holte den Italiener <a href="Jean-Baptiste_Lully" title="Jean-Baptiste Lully">Giovanni Battista Lulli</a> (1632–1687) an den französischen Hof, der für ihn etliche Ballette komponierte und hier unter dem französisierten Namen Jean Baptiste Lully Karriere machte. Die Musik in Frankreich nahm eine eigenständige Entwicklung, sowohl auf dem Gebiet der Oper, neben Lully mit den Vertretern <a href="Andr%C3%A9_Campra" title="André Campra">André Campra</a> (1660–1744) und <a href="Jean-Philippe_Rameau" title="Jean-Philippe Rameau">Jean-Philippe Rameau</a> (1683–1764), als auch in der Kirchenmusik mit <a href="Marc-Antoine_Charpentier" title="Marc-Antoine Charpentier">Marc-Antoine Charpentier</a> (1644–1704) und <a href="Michel-Richard_Delalande" title="Michel-Richard Delalande">Michel-Richard Delalande</a> (1657–1726). Unter den Instrumentalmusikern stechen die sogenannten ‚<a href="Pi%C3%A8ces_de_clavecin" title="Pièces de clavecin">Clavecinisten</a>‘ mit <a href="Fran%C3%A7ois_Couperin" title="François Couperin">François Couperin</a> (1668–1733) als größtem und originellstem Vertreter des Genres hervor, als auch die <a href="Viola_da_gamba" title="Viola da gamba">Gambenmusik</a> wie <a href="Marin_Marais" title="Marin Marais">Marin Marais</a> (1656–1728), <a href="Antoine_Forqueray" title="Antoine Forqueray">Antoine Forqueray</a> (1672–1745) und im Spätbarock die von Italien beeinflussten Meister Rameau, <a href="Joseph_Bodin_de_Boismortier" title="Joseph Bodin de Boismortier">Boismortier</a> (1689–1755) und der Violinist <a href="Jean-Marie_Leclair" title="Jean-Marie Leclair">Jean-Marie Leclair</a> (1698–1764).
</p><p>Ihren krönenden Abschluss findet die Barockmusik nach allgemeiner Ansicht mit <a href="Johann_Sebastian_Bach" title="Johann Sebastian Bach">Johann Sebastian Bach</a> (1685–1750) und <a href="Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel" title="Georg Friedrich Händel">Georg Friedrich Händel</a> (1685–1759). In ihren Persönlichkeiten laufen alle musikalischen Bestrebungen der Zeit zusammen und gewinnen höchst persönlichen Ausdruck. Bach führte die Kunst der Polyphonie zu einer seit der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> nicht mehr erreichten Komplexität.
Im Umkreis von Bach und Händel stehen Meister wie <a href="Georg_Philipp_Telemann" title="Georg Philipp Telemann">Georg Philipp Telemann</a> (1681–1767) in <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a> und <a href="Johann_Adolph_Hasse" title="Johann Adolph Hasse">Johann Adolph Hasse</a> (1699–1783) in Dresden, der bereits den folgenden musikalischen Stilwandel um 1730 einleitete. Einige der Bach-Söhne und viele andere gehörten künstlerisch nicht mehr dem Barock an, sondern bilden mit ihren Werken den Übergang zur <a href="Wiener_Klassik" title="Wiener Klassik">Klassik</a> <a href="Joseph_Haydn" title="Joseph Haydn">Joseph Haydns</a> und Wolfgang Amadeus <a href="Wolfgang_Amadeus_Mozart" title="Wolfgang Amadeus Mozart">Mozarts</a>.
</p><p>Das Charakteristikum des Barock als Epoche des Reglementierens und Ordnung-Schaffens schlägt sich in musiktheoretischen Werken nieder. Bach systematisierte z.&nbsp;B. im „Wohltemperierten Klavier“ die Dur- und Moll-Tonarten, <a href="Johann_Joseph_Fux" title="Johann Joseph Fux">Johann Joseph Fux</a> schuf den <a href="Gradus_ad_Parnassum" title="Gradus ad Parnassum">Gradus ad Parnassum</a>, ein Werk, das praktische Anweisungen zum polyphonen Komponieren gab und Rameau schrieb die erste <a href="Harmonielehre" title="Harmonielehre">Harmonielehre</a>.
</p>
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<div class="gallerytext"><a href="Claudio_Monteverdi" title="Claudio Monteverdi">Claudio Monteverdi</a>,<br>Porträt von <a href="Bernardo_Strozzi" title="Bernardo Strozzi">Bernardo Strozzi</a> (1640)</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Heinrich_Sch%C3%BCtz" title="Heinrich Schütz">Heinrich Schütz</a>,<br>Porträt von Christoph Spätner (um 1660)</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Jean-Baptiste_Lully" title="Jean-Baptiste Lully">Jean-Baptiste Lully</a><br>(um 1670)</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Arcangelo_Corelli" title="Arcangelo Corelli">Arcangelo Corelli</a><br>Porträt von Hugh Howard (1697)</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel" title="Georg Friedrich Händel">Georg Friedrich Händel</a><br>(1741)</div>
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<div class="gallerytext"><a href="Johann_Sebastian_Bach" title="Johann Sebastian Bach">Johann Sebastian Bach</a><br>(um 1748)</div>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Theater">Theater</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Barocktheater" title="Barocktheater">Barocktheater</a></i></div>
<p>Theater, wie wir es heute verstehen, entstand und entwickelte sich in der barocken Epoche. Vorher fanden Theateraufführungen hauptsächlich im Rahmen von religiösen oder höfischen Festen statt, deren Darsteller meist Mitglieder des Klerus, der Hofgesellschaft, Studenten und Seminaristen waren. Im Barock wird die Kunst nach und nach neu definiert, vor allem werden ab dieser Epoche alle Mittel der Kunst – Architektur, Bildhauerei, Malerei, Oper, Schauspiel, Tanz – sowie die neueste Bühnentechnik eingesetzt. Die Verwandlung der Bühne von einer Landschaft in einen Innenraum konnte ab da innerhalb kürzester Zeit geschehen.
Der Bühnenraum wurde wie beim <a href="Guckkasten" title="Guckkasten">Guckkasten</a> außen durch einen Rahmen begrenzt, innerhalb dessen die Bühnenhandlung stattfindet. Eingezogene Wände, die sich meist an beiden Seiten der Bühne befinden, schaffen die Illusion des zum Stück gehörenden Raums und verdecken gleichzeitig die für den Ablauf nötige Maschinerie. Die neue Bühnentechnik wurde u.&nbsp;a. auch dafür eingesetzt, um die Wirkung einzelner Auftritte zu verstärken, wie den des sprichwörtlichen <a href="Deus_ex_machina" title="Deus ex machina">Deus ex Machina</a>. Götter müssen in einem Bühnenstück rasch vom Himmel heruntersteigen können und den Helden aus einer verwickelten oder gefährlichen Situation zu retten. Die Vorstellung der Welt als Theaterbühne <a href="Theatrum_mundi" title="Theatrum mundi">Theatrum mundi</a> entstand im Barock.
</p><p>Eine eigene in Italien entwickelte Form des Theaterspiels ist die <i>Commedia all’improvviso</i>, <i>Commedia a soggetto</i> oder <i>Commedia di zanni</i>, die im Deutschen der <a href="Stegreifkom%C3%B6die" class="mw-redirect" title="Stegreifkomödie">Stegreifkomödie</a> entspricht. Dabei handelt es sich um Stücke, bei denen der Inhalt vorgegeben ist, der Text aber – zur Szene passend – von den Schauspielern improvisiert wird. Die <a href="Commedia_dell%E2%80%99arte" title="Commedia dell’arte">Commedia dell’arte</a>, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstand, erfreut sich bis ins 18.&nbsp;Jahrhundert großer Beliebtheit. Die Truppen bestehen aus Berufsschauspielern, die meist festgelegte Charaktere interpretieren, die häufig Masken tragen. Die bekanntesten Figuren sind <a href="Harlekin" title="Harlekin">Arlecchino</a>, <a href="Brighella" title="Brighella">Brighella</a>, <a href="Pagliaccio" title="Pagliaccio">Pagliaccio</a> und <a href="Colombina" title="Colombina">Colombina</a>.
</p><p><b>Festkultur</b>
</p>

<p>Die großen Feste in der Zeit des Barock dienten meist nicht nur dem Vergnügen, sondern auch der <a href="Repr%C3%A4sentation_(Politik)" title="Repräsentation (Politik)">Repräsentation</a>.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>11.1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Sie hat ihre Wurzeln in der italienischen <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a>, insbesondere in den <i>trionfi</i> genannten Festumzügen.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>11.2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sorgfältig inszenierte man an Fürstenhöfen – mit Mitgliedern der Hofgesellschaft und der Herrscherfamilie – prächtige und spektakuläre Aufführungen, um Ruhm und Macht des Regenten symbolisch darzustellen und den Zuschauern zu präsentieren. Auch die Teilnehmer dieser Festveranstaltungen, die häufig in Bällen endeten, mussten Tänze und Tanzschritte für die Gruppentänze, die sogenannten <a href="Kontratanz" title="Kontratanz">Kontertänze</a>, beherrschen.
</p><p>Anlässe für große Festlichkeiten boten Thronbesteigungen und Hochzeiten von Mitgliedern der Herrscherfamilie. Die meist aus dem Ausland stammende Braut wurde häufig schon auf ihrer Reise zum Bräutigam mit Festempfängen geehrt, wie z.&nbsp;B. 1613 Prinzessin <a href="Elisabeth_Stuart" title="Elisabeth Stuart">Elizabeth Stuart</a>, die <a href="Friedrich_V._(Pfalz)" title="Friedrich V. (Pfalz)">Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz</a>, den späteren Winterkönig<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, heiratete, oder Erzherzogin <a href="Marie-Antoinette_von_%C3%96sterreich-Lothringen" title="Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen">Marie Antoinette</a> auf dem Weg von Wien nach Paris zu ihrer Hochzeit mit dem Dauphin (Thronfolger), dem späteren König <a href="Ludwig_XVI." title="Ludwig XVI.">Ludwig XVI.</a> Aber auch die Geburt von Kindern des Herrscherpaares, das erfolgreiche Ende eines Krieges, die überstandene Pestepidemie boten Anlass für prachtvolle Festveranstaltungen. Häufig gab man eigens dafür Opern oder Schauspiele in Auftrag, deren Aufführung mit Feuerwerken oder Salutschüssen gekrönt werden konnte. Aber auch Begräbnisse von Herrschern oder bedeutender Persönlichkeiten wurden mit Festdekorationen prachtvoll inszeniert. In der Kirche wurde ein <i>castrum doloris</i> (Trauergerüst) errichtet. Von einigen Festen wurden später <a href="Kupferstich" title="Kupferstich">Kupferstichserien</a> angefertigt, um sie weitreichend bekannt zu machen.<sup id="cite_ref-13-1" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>11.2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p>Einige legendäre Feste fanden am Hof König <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwigs XIV.</a> statt, des <i>roi soleil</i> (= des Sonnenkönigs), der als 14-Jähriger in einem für ihn komponierten Ballett im Kostüm des Sonnengottes <a href="Apollon" title="Apollon">Apollo</a> tanzte. Im Zusammenhang damit prägte er den Begriff des Sonnenkönigs. Er übernahm die Sonne als Symbol des im Zentrum der Planeten stehenden Systems für sich, der im Zentrum des Staates stand. Seiner Begeisterung für Tanz und für große Feste gipfelten in der sieben Tage währenden Festveranstaltung „Freuden der verzauberten Insel“ (<i>Les Plaisirs de l’île enchantée</i>) im Mai 1664.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>13.1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es gab u.&nbsp;a. ein <a href="Ringelstechen" class="mw-redirect" title="Ringelstechen">Ringelstechen</a> und ein <a href="Ballet_de_cour" title="Ballet de cour">ballet de cour</a> mit den Mitgliedern der Hofgesellschaft als Teilnehmer und als Publikum.
Die musikalische Leitung hatte man <a href="Jean-Baptiste_Lully" title="Jean-Baptiste Lully">Jean-Baptiste Lully</a> anvertraut, und es wurden einige Stücke von <a href="Moli%C3%A8re" title="Molière">Molière</a> aufgeführt: <i>La Princesse d’Elide</i>, Les Fâcheux und <i><a href="Tartuffe" title="Tartuffe">Tartuffe</a></i>.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>13.2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein Zeitgenosse berichtete, wie zum Abschluss des ersten Festtages Lully „an der Spitze einer großen Truppe Konzertierender … mit kleinen Schritten im Rhythmus ihrer Instrumente“<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>13.3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> erschien:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„… und zu gleicher Zeit sah man aus der Allee zur Rechten die vier Jahreszeiten hervortreten: den Frühling auf einem spanischen Ross, den Sommer auf einem Elefanten, den Herbst auf einem Kamel und den Winter auf einem Bären. Die Jahreszeiten waren begleitet von zwölf Gärtnern, zwölf Schnittern, zwölf Winzern und zwölf Greisen. Sie stellten die Verschiedenheiten ihrer Jahreszeiten durch Blumen, Ähren, Früchte und Eis dar und trugen auf ihren Köpfen die Schalen mit dem Imbiss … Die Contrôleurs de la Maison du Roi … (in allegorischen Kostümen; Anm. d. Verf.) ließen … einen großen halbkreisförmigen Tisch aufstellen, der mit Girlanden und einer Unzahl von Blumen geschmückt war…“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Carpentier de Marigny</span><sup id="cite_ref-18-1" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>13.3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Ähnlich großartig war das <i>Grand divertissement de Versailles</i> im Juli 1668, das anlässlich des <a href="Friede_von_Aachen_(1668)" title="Friede von Aachen (1668)">Aachener Friedens</a> gefeiert wurde. Die Musik stammte wieder von Lully, der u.&nbsp;a. auch ein Ballett „Triumph des Bacchus“ komponierte,<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>13.4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und Molières <i><a href="George_Dandin" title="George Dandin">George Dandin</a></i> wurde uraufgeführt.<sup id="cite_ref-19-1" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>13.4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zum Abschluss gab es ein Feuerwerk im Park von Versailles, bei dem „das Schloss wahrhaftig wie der Palast der Sonne“ erschien.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p>Die französische Festkultur löste eine Art Wettstreit aus, und der Kaiserhof in Wien antwortete mit den pompösen Hochzeitsfeierlichkeiten für Kaiser <a href="Leopold_I._(HRR)" title="Leopold I. (HRR)">Leopold I.</a> und Infantin <a href="Margarita_Teresa_von_Spanien" class="mw-redirect" title="Margarita Teresa von Spanien">Margarita Teresa von Spanien</a>. Ein prachtvoll inszeniertes Rossballett „La contesa dell’aria e dell’acqua“<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> fand im Hof der <a href="Hofburg" title="Hofburg">Wiener Burg</a> am 24. Januar 1667<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>16.1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> statt.
1700 Personen und 600 Pferde nahmen daran teil, alle in prunkvollen (und teilweise zentnerschweren) Kostümen und mit federbesetztem Kopfputz. Kaiser Leopold ritt auf einem tanzenden Pferd zur Musik von <a href="Johann_Heinrich_Schmelzer" title="Johann Heinrich Schmelzer">Johann Heinrich Schmelzer</a>, die von einem 100 Mann starken Orchester gespielt wurde.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gut dokumentiert ist die in Kupferstichen erhaltene Aufführung der Oper <i>Il Pomo d'Oro</i> von <a href="Antonio_Cesti" title="Antonio Cesti">Antonio Cesti</a> mit Dekorationen von <a href="Lodovico_Ottavio_Burnacini" title="Lodovico Ottavio Burnacini">Lodovico Ottavio Burnacini</a>. Da man für die Aufführungen erst ein eigenes <a href="Theater_auf_der_Cortina" title="Theater auf der Cortina">Theater</a> auf dem Burgplatz bauen musste, verzögerte sich das Fest bis zum 13. und 14. Juli 1668 (Margaritas Geburtstag).<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>16.2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie soll angeblich 9 Stunden gedauert haben und mehrfach wiederholt worden sein.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>16.3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Unabhängig besonderer Anlässe erlebte auch der <a href="Karneval_in_Venedig" title="Karneval in Venedig">Karneval von Venedig</a> seine höchste Blüte im 17. und 18. Jahrhundert und zog zahlreiche wohlhabende Touristen. Veranstaltungen und Aufführungen konnten monatelang dauern. Da sich alle unter ihren Masken versteckten und dadurch auch für die Nächsten unerkannt blieben, herrschte ein munteres Durcheinander der Gesellschaft, die sich gegenseitig mit <a href="Geschlechtskrankheiten" class="mw-redirect" title="Geschlechtskrankheiten">Geschlechtskrankheiten</a> ansteckte (bekanntes Beispiel: Fürst <a href="Georg_Wilhelm_von_Braunschweig-L%C3%BCneburg" title="Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg">Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg</a> überließ seinem Bruder <a href="Ernst_August_(Hannover)" title="Ernst August (Hannover)">Ernst August</a> die eigene Verlobte Prinzessin <a href="Sophie_von_der_Pfalz" title="Sophie von der Pfalz">Sophie von der Pfalz</a>, weil er sich in Venedig (vermutlich mit <a href="Syphilis" title="Syphilis">Syphilis</a>) infiziert hatte).<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch außerhalb der Karnevalssaison war Venedig für seine Feste bekannt, die regelmäßig stattfanden, wie z.&nbsp;B. die <a href="Festa_della_Sensa" title="Festa della Sensa">Hochzeit des Dogen mit dem Meer</a> am <a href="Christi_Himmelfahrt" title="Christi Himmelfahrt">Christi Himmelfahrt</a>stag oder das <a href="Festa_della_Madonna_della_Salute" title="Festa della Madonna della Salute">Fest der Madonna della Salute</a>. Auch <a href="Audienz" title="Audienz">Empfänge</a> von ausländischen Herrschern und Botschaftern wurden mit <a href="Regatta" title="Regatta">Regattas</a> und anderen Feiern begangen. Sie zogen Schaulustige aus aller Welt an und waren beliebte Motive der <a href="Vedute" title="Vedute">Veduten</a>malern wie <a href="Luca_Carlevarijs" title="Luca Carlevarijs">Luca Carlevarijs</a> und <a href="Giovanni_Antonio_Canal" title="Giovanni Antonio Canal">Canaletto</a>.
</p>

<p>Für seine glanzvolle Hofhaltung, prächtige Feste und Umzüge war auch der sächsische Kurfürst und polnische König <a href="August_der_Starke" title="August der Starke">August der Starke</a> berühmt. Zu den bekanntesten zählten die <a href="August_der_Starke#Hochzeit_des_Sohnes_Augusts_des_Starken" title="August der Starke">Hochzeitsfeierlichkeiten für seinen Sohn</a> 1719, als Kurprinz <a href="August_III." title="August III.">Friedrich August</a> die Kaisertochter <a href="Maria_Josepha_von_%C3%96sterreich_(1699%E2%80%931757)" title="Maria Josepha von Österreich (1699–1757)">Erzherzogin Maria Josepha</a> von Österreich heiratete. Die Feierlichkeiten und Lustbarkeiten währten 26 Tage lang. Den Höhepunkt bildete die Allegorie der „Sieben Planeten-Lustbarkeiten“, die im <a href="Japanisches_Palais" title="Japanisches Palais">Holländischen Palais</a> stattfand.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>11.3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Augusts <a href="Zeithainer_Lustlager" title="Zeithainer Lustlager">Zeithainer Lustlager</a> im Jahr 1730 war eines der berühmtesten Barockfeste seiner Zeit. Der Erbauer des <a href="Dresdner_Zwinger" class="mw-redirect" title="Dresdner Zwinger">Dresdner Zwingers</a>, <a href="Matth%C3%A4us_Daniel_P%C3%B6ppelmann" title="Matthäus Daniel Pöppelmann">Matthäus Daniel Pöppelmann</a>, errichtete dafür eigens einen Ofen, eigentlich ein Ofen-Gebäude, um darin den sieben Meter langen Riesenstollen backen zu können. Der Architekt <a href="Joachim_Daniel_von_Jauch" class="mw-redirect" title="Joachim Daniel von Jauch">Joachim Daniel von Jauch</a>, dem unter anderem die Organisation der Feste und Illuminationen am polnischen Hof oblagen (Kurfürst August der Starke und ein Sohn waren auch <a href="Sachsen-Polen" title="Sachsen-Polen">Könige von Polen</a>), organisierte das fünfstündige Feuerwerk auf der Elbe, für das 18.000 Baumstämme gefällt wurden.
</p><p>Manche Feste des Barock leben nicht nur in Kupferstichen und Bildern fort, sondern auch in der für sie komponierten Musik. Zu den berühmtesten gehören einige Feierlichkeiten in England, für die <a href="Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel" title="Georg Friedrich Händel">Georg Friedrich Händel</a> die Musik beisteuerte. Für ein Fest auf der <a href="Themse" title="Themse">Themse</a> komponierte er die <a href="Wassermusik_(H%C3%A4ndel)" title="Wassermusik (Händel)">Wassermusik</a> (vermutlich für Aufführungen in den Jahren 1717, 1719 und 1736)<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und für die im April 1749 stattfindenden Feierlichkeiten anlässlich des <a href="Friede_von_Aachen_(1668)" title="Friede von Aachen (1668)">Aachener Friedens</a> die <a href="Feuerwerksmusik" title="Feuerwerksmusik">Feuerwerksmusik</a>. Schon die Generalprobe in den Vauxhall Gardens zog 12000 Zuschauer an.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Isra%C3%ABl_Silvestre" title="Israël Silvestre">Israël Silvestre</a>: <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwig XIV.</a> im Kostüm bei der <i>Grande Cavalcade</i> (Rossballett) in <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> 1662</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Festlicher Umzug mit nachfolgendem Rossballett in der <a href="Hofburg" title="Hofburg">Wiener Hofburg</a> zur Hochzeit Kaiser <a href="Leopold_I._(HRR)" title="Leopold I. (HRR)">Leopolds I.</a> mit Infantin <a href="Margarita_Theresa_von_Spanien" title="Margarita Theresa von Spanien">Margarita</a>, 1667</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Ludwig XIV. empfängt den persischen Botschafter in Versailles am 19.&nbsp;Februar 1715</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Nicolas Cochin: <a href="Kost%C3%BCmball" title="Kostümball">Maskenball</a> zur Hochzeit des <a href="Dauphin_(Adel)" title="Dauphin (Adel)">Dauphin</a> im <a href="Spiegelsaal" title="Spiegelsaal">Spiegelsaal</a> von Versailles 1745</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Königliches Feuerwerk und Illumination in <a href="Whitehall" title="Whitehall">Whitehall</a> und auf der <a href="Themse" title="Themse">Themse</a> am 27.&nbsp;April 1749, zum <a href="Friede_von_Aachen_(1668)" title="Friede von Aachen (1668)">Aachener Frieden</a>. Für diesen Anlass schrieb <a href="Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel" title="Georg Friedrich Händel">Händel</a> die berühmte <a href="Feuerwerksmusik" title="Feuerwerksmusik">Feuerwerksmusik</a>.</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Festliche Schlittenfahrt am Hof Kaiserin <a href="Maria_Theresia" title="Maria Theresia">Maria Theresias</a> in der Wiener Hofburg 1766. Einer der goldenen Prunkschlitten ist im Kutschenmuseum von <a href="Schloss_Sch%C3%B6nbrunn" title="Schloss Schönbrunn">Schönbrunn</a> erhalten.</div>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur_des_Barock">Literatur des Barock</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Barockliteratur" title="Barockliteratur">Barockliteratur</a></i></div>
<p>Während barocke Literatur in den südeuropäischen Ländern schon früh zu hoher Vollendung gelangte, konnte sie sich auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs erst später entwickeln, da hier der Dreißigjährige Krieg wütete. Typischerweise sind die Werke der deutschen Schriftsteller zu dieser Zeit von Lebensgier und Todesbangen gekennzeichnet, später nahm die Literatur wie in den anderen Ländern eine Wendung in Richtung höfischer oder bürgerlich-gebildeter Literatur.
Stilistisch ist die Frühzeit durch oft übertriebene Stilistik geprägt, später orientiert man sich an den Strömungen der anderen Länder. Ritter- und Abenteuerromane waren in Deutschland lange Zeit sehr beliebt, darunter das vielbändige Werk Herzog <a href="Anton_Ulrich_(Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttel)" title="Anton Ulrich (Braunschweig-Wolfenbüttel)">Anton Ulrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel</a> (1633–1714) und das von <a href="Daniel_Casper_von_Lohenstein" title="Daniel Casper von Lohenstein">Daniel Casper von Lohenstein</a> (1635–1683). Als Klassiker der Epoche ist <a href="Hans_Jakob_Christoffel_von_Grimmelshausen" title="Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen">Hans Jakob Christoffels von Grimmelshausen</a> „<a href="Der_abenteuerliche_Simplicissimus" title="Der abenteuerliche Simplicissimus">Abenteuerliche Simplicissimus</a>“ zu bezeichnen.
</p><p>In Spanien erreichte die Barockliteratur mit den Werken von <a href="Miguel_de_Cervantes" title="Miguel de Cervantes">Miguel de Cervantes</a> (1547–1616), <a href="Lope_de_Vega" title="Lope de Vega">Lope de Vega</a> (1562–1635) und <a href="Pedro_Calder%C3%B3n_de_la_Barca" title="Pedro Calderón de la Barca">Pedro Calderón de la Barca</a> (1600–1681) früh einen – künstlerisch eigenständigen – Höhepunkt. In Frankreich verlief die Entwicklung ähnlich wie auf dem Gebiet der Bildenden Künste, man verschrieb sich schon früh dem <a href="Klassizismus" title="Klassizismus">Klassizismus</a>.
<a href="Pierre_Corneille" title="Pierre Corneille">Pierre Corneille</a> (1606–1684), <a href="Jean_Racine" title="Jean Racine">Jean Racine</a> (1639–1699) und <a href="Moli%C3%A8re" title="Molière">Molière</a> (1622–1673) sind die bedeutendsten Vertreter. In England erfreute sich in dieser Zeit die Tagebuch- und Reiseliteratur großer Beliebtheit. Das Tagebuch von <a href="Samuel_Pepys" title="Samuel Pepys">Samuel Pepys</a> und die Briefe und Reiseberichte der Lady <a href="Mary_Wortley_Montagu" title="Mary Wortley Montagu">Mary Wortley Montague</a> gehören zu den populärsten Erscheinungen, die bis heute nachgedruckt werden.
</p><p>In der <a href="Lyrik" title="Lyrik">Lyrik</a> zeigen sich die gegensätzlichen Grundzüge des zwischen mystischer Religiosität und Lebenslust schwankenden Lebensgefühls am stärksten. Lehrhafte, erzieherische Literatur steht der Erlebnisdichtung gegenüber, die häufig in üppigen Phantasien gipfeln. Hauptvertreter dieser Richtung waren <a href="Martin_Opitz" title="Martin Opitz">Martin Opitz</a> (1597–1639), <a href="Andreas_Gryphius" title="Andreas Gryphius">Andreas Gryphius</a> (1616–1664), <a href="Daniel_Casper_von_Lohenstein" title="Daniel Casper von Lohenstein">Daniel Casper von Lohenstein</a> (1635–1683), <a href="Christian_Hoffmann_von_Hoffmannswaldau" title="Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau">Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau</a> (1616–1679), <a href="Paul_Fleming" title="Paul Fleming">Paul Fleming</a> (1609–1640), <a href="Simon_Dach" title="Simon Dach">Simon Dach</a> (1605–1659), <a href="Friedrich_Spee_von_Langenfeld" class="mw-redirect" title="Friedrich Spee von Langenfeld">Friedrich Spee von Langenfeld</a> (1591–1635) und <a href="Georg_Philipp_Harsd%C3%B6rffer" title="Georg Philipp Harsdörffer">Georg Philipp Harsdörffer</a> (1607–1658). Auch die Reimsprüche von <a href="Friedrich_von_Logau" title="Friedrich von Logau">Friedrich von Logau</a> (Pseudonym: Salomon von Golaw; 1604–1655) sind dieser literarischen Richtung zuzuordnen.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Moli%C3%A8re" title="Molière">Molières</a> Werke, 1734</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Frontispiz" title="Frontispiz">Frontispiz</a> der Erstausgabe des <a href="Der_abenteuerliche_Simplicissimus" title="Der abenteuerliche Simplicissimus">Simplicissimus</a>, 1668</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><i>Die so genannte Hölle der Lebendigen, das ist die welt-beruffene Bastille zu Paris</i> (1719). Links: Frontispiz, rechts: Titelblatt</div>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Frantz Christoph Khevenhillers <i>[…] Annales Ferdinandei Oder Wahrhaffte Beschreibung Kayser Ferdinandi […] In Zwölff Theilen mit vielen Kupffern</i>, Leipzig 1721</div>
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</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Natur-_und_weiterführende_Gesellschaftsphilosophie"><span id="Natur-_und_weiterf.C3.BChrende_Gesellschaftsphilosophie"></span>Natur- und weiterführende Gesellschaftsphilosophie</h2></div>

<p>Die Ideen der zeitgenössischen Naturphilosophen und Wissenschaftler wie <a href="Francis_Bacon" title="Francis Bacon">Francis Bacon</a> und <a href="Galileo_Galilei" title="Galileo Galilei">Galileo Galilei</a> steht der bis dahin vorherrschenden scholastischen Naturphilosophie gegenüber und leiteten den <a href="Empirismus" title="Empirismus">Empirismus</a> ein. Galileos Erkenntnis des <a href="Heliozentrismus" class="mw-redirect" title="Heliozentrismus">heliozentrischen</a> Universums konnte durch die <a href="Newtonsche_Gesetze" title="Newtonsche Gesetze">Newtonschen Gesetze</a> gestützt und interpretiert werden. Ihren größten Erfolg hatten die Empirizisten mit der Forderung, dass sich Wissenschaftler fortan nicht mehr an politische Vorgaben zu orientieren haben, was in früheren Epochen – je nach Charakter und Bildungsstand der Herrschenden und Oberen – die Arbeit oft hinderte.<sup id="cite_ref-shapin1985_30-0" class="reference"><a href="#cite_note-shapin1985-30"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Zur Stärkung dieser These wurde das Bild des Menschen neu festgelegt: Zu Beginn der Barockzeit und bis mindestens 1700 war die Wissenschaft von der Idee geleitet, die Natur als Abbild des göttlichen Willens zu sehen und durch das Studium der Naturgesetze der göttlichen Wahrheit näher zu kommen. Gegen Ende der barocken Epoche versteht man den Menschen hingegen als handelndes <a href="Subjekt_(Philosophie)" title="Subjekt (Philosophie)">Subjekt</a> und die Natur als ein Gebilde aus passiven und reaktiven Objekten.<sup id="cite_ref-latour1998_31-0" class="reference"><a href="#cite_note-latour1998-31"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der vorher als Regisseur des Welttheaters geltende Gott wurde der Welt entrückt und war fortan nur noch als Schöpfer verstanden, als derjenige, der dem Uhrwerk der Himmelsmechanik den ersten Anstoß gegeben hat (<a href="Deismus" title="Deismus">Deismus</a>). Dieser politische wie <a href="Metaphysik" title="Metaphysik">metaphysische</a> Dualismus läutete auch das Ende des Barock ein. Auf gesamtweltliche Harmonie zielende Philosophien wie die von <a href="Gottfried_Wilhelm_Leibniz" title="Gottfried Wilhelm Leibniz">Gottfried Wilhelm Leibniz</a> wurden zugunsten des Empirismus zurückgedrängt.<sup id="cite_ref-koutroufinis2006_32-0" class="reference"><a href="#cite_note-koutroufinis2006-32"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Entrückung Gottes in die Ferne und die Erklärung der Religion zur Privatsache legte die Grundlage für die geistige wie materielle <a href="S%C3%A4kularisation" title="Säkularisation">Säkularisation</a> des 19. Jahrhunderts.<sup id="cite_ref-whitehead1925_33-0" class="reference"><a href="#cite_note-whitehead1925-33"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die auf das Zeitalter des Barock folgende geistesgeschichtliche Epoche wird im Allgemeinen das <a href="Zeitalter_der_Aufkl%C3%A4rung" class="mw-redirect" title="Zeitalter der Aufklärung">Zeitalter der Aufklärung</a> bezeichnet; jedoch ist zu beachten, dass die Übergänge hier fließend sind und sich von Region von Region stark unterscheiden. Die frühe Aufklärung setzte teils schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein, wurzelt also in der <a href="Sp%C3%A4trenaissance" class="mw-redirect" title="Spätrenaissance">Spätrenaissance</a>, während sie in Italien teils erst im späten Barockzeitalter um 1760 und in Ostmitteleuropa oder Griechenland noch später wirksam wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wissenschaften_und_Technik">Wissenschaften und Technik</h2></div>
<p>Im barocken Europa entstanden die modernen Wissenschaften. Akademiker und Forscher organisierten sich in <a href="Gelehrtengesellschaft" title="Gelehrtengesellschaft">Gelehrtengesellschaften</a> und <a href="Akademie_der_Wissenschaften" title="Akademie der Wissenschaften">Akademien</a>. Die theoretische, zunehmend mathematisierte <a href="Mechanik" title="Mechanik">Mechanik</a> und ihre Anwendung auf technische, atmosphärische, biologische, astronomische usw. Phänomene machte große Fortschritte: <a href="William_Harvey" title="William Harvey">William Harvey</a> entdeckte den <a href="Blutkreislauf" title="Blutkreislauf">Blutkreislauf</a>, <a href="Galileo_Galilei" title="Galileo Galilei">Galileo Galilei</a> versuchte das Gewicht der Luft zu bestimmen, <a href="Evangelista_Torricelli" title="Evangelista Torricelli">Evangelista Torricelli</a>, <a href="Blaise_Pascal" title="Blaise Pascal">Blaise Pascal</a> und <a href="Otto_von_Guericke" title="Otto von Guericke">Otto von Guericke</a> untersuchten die Effekte des <a href="Luftdruck" title="Luftdruck">Luftdrucks</a>, <a href="Antoni_van_Leeuwenhoek" title="Antoni van Leeuwenhoek">Antoni van Leeuwenhoek</a> und <a href="Jan_Swammerdam" title="Jan Swammerdam">Jan Swammerdam</a> gelangen durch <a href="Mikroskopie" class="mw-redirect" title="Mikroskopie">Mikroskopie</a> spektakuläre Einblicke in den menschlichen Körper wie etwa die Entdeckung der <a href="Blutk%C3%B6rperchen" title="Blutkörperchen">Blutkörperchen</a> und <a href="Mikroorganismen" class="mw-redirect" title="Mikroorganismen">Mikroorganismen</a>, <a href="Christiaan_Huygens" title="Christiaan Huygens">Christiaan Huygens</a> entwickelte die <a href="Pendel" title="Pendel">Pendeluhr</a>, <a href="Isaac_Newton" title="Isaac Newton">Isaac Newton</a> das <a href="Gravitationsgesetz" class="mw-redirect" title="Gravitationsgesetz">Gravitationsgesetz</a>.
Die Mechanik wurde zum dominanten Wissenschafts- und Welterklärungs-<a href="Paradigma" title="Paradigma">Paradigma</a>. Sie diente auch zur Erklärung der stofflichen Feinstruktur der Welt (<a href="Atomismus" title="Atomismus">Atomismus</a>, <a href="Monadologie" title="Monadologie">Monadologie</a>). Das Modell des <a href="Uhrwerk" title="Uhrwerk">Uhrwerks</a> wurde zur Deutung der Bewegungsgesetze des <a href="Universum" title="Universum">Universums</a> herangezogen.<sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Mechanizismus" class="mw-redirect" title="Mechanizismus">Mechanistische</a> Erklärungsmodelle wurden häufig mangels anderer damals verfügbarer Theorien stark überstrapaziert, so dass auch die hierarchische Ordnung und Politik des nach rationalem Plan gestalteten absolutistischen Staates anhand des Maschinenmodells interpretiert wurde.
</p><p>Durch königlichen Erlass, unter fürstlicher Protektion und mit Unterstützung anderer Mäzene wurden Akademien der Wissenschaften und Technik gegründet, so 1660 die britische <a href="Royal_Society" title="Royal Society">Royal Society</a> oder 1666 die französische <a href="Acad%C3%A9mie_des_sciences" title="Académie des sciences">Académie des Sciences</a>. Diese Akademien verfügten auch oft über Objekte zu diesen natur- und technikgeschichtlichen Themen.
</p><p>In der <a href="Fertigungstechnik" title="Fertigungstechnik">Fertigungstechnik</a> setzte sich die Verbesserung von Hilfsmitteln und Werkzeugen unter Zuhilfenahme empirischer und theoretisch-mechanischer Erkenntnisse immer weiter fort, während die Antriebskräfte (Wasser- und Windkraft, tierische und menschliche Kraft) keine bedeutenden Entwicklungen erfuhren. Sie wurden zumindest effektiviert, indem man sich z.&nbsp;B. die Fortschritte im Bau von (hölzernen) <a href="Getriebe" title="Getriebe">Getrieben</a> zunutze machte.
Die Mechanismen wurden in großen (<a href="Bildwirkerei" title="Bildwirkerei">Gobelin</a>-, <a href="Porzellan" title="Porzellan">Porzellan</a>-, Kutschen- usw.)<a href="Manufaktur" title="Manufaktur">Manufakturen</a>, <a href="Arsenal" title="Arsenal">Arsenalen</a> und <a href="Werft" title="Werft">Werften</a> angewendet. Der europäische Bergbau, der durch den Import von Edelmetallen aus Lateinamerika in eine Krise geraten war, gelangte wegen des drohenden Mangels an Metall für die Münzprägung in vielen Ländern unter staatliche Regie.<sup id="cite_ref-35" class="reference"><a href="#cite_note-35"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Wasserbaukunst<sup id="cite_ref-36" class="reference"><a href="#cite_note-36"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> in Schlossgärten erreichte einen Höhepunkt in den <a href="Maschine_von_Marly" title="Maschine von Marly">Schöpfwerken von Marly-le-Roi</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Schiffbau">Schiffbau</h2></div>

<p>Wie in allen Epochen zuvor und danach standen auch Schiffe unter dem Einfluss der herrschenden Kunstrichtungen. An- und Aufbauten verfügten über dieselben Schwünge, Vor- und Rücksprünge wie in der Architektur, und auch der Zierrat richtete sich nach den Forderungen der Zeit: gedrechselte Säulen, vergoldetes Schnitzwerk, Konsolen und Statuen, die biblische oder mythologische Allegorien zum Vorbild hatten, gehörten zum gängigen Dekorationsrepertoire. In den prächtigen Heckgalerien gipfelte die Architekturkunst der Zeit (s. Foto der <i><a href="Vasa_(Schiff)" title="Vasa (Schiff)">Vasa</a>,</i> 1628). Eine „wollüstige Linienführung“<sup id="cite_ref-37" class="reference"><a href="#cite_note-37"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und mächtige <a href="Galionsfigur" title="Galionsfigur">Galionsfiguren</a> unterstrichen den repräsentativen Charakter der Kriegs- und Staatsschiffe, die die Macht ihrer Herkunftsländer symbolisch unterstreichen sollten. So zeigte z.&nbsp;B. die Galion des englischen <a href="Dreidecker" title="Dreidecker">Dreideckers</a> <i><a href="Sovereign_of_the_Seas_(Schiff%2C_1638)" title="Sovereign of the Seas (Schiff, 1638)">Sovereign of the Seas</a></i> ein Reiterstandbild König <a href="Edgar_(England)" title="Edgar (England)">Edgars</a>, dessen Pferd sieben Könige unter den Hufen zerdrückte. Funktionalität und Kriegstüchtigkeit dieser Schiffe wurden trotz ihrer gestrafften Formen durch den hoch liegenden Schwerpunkt der Aufbauten beeinträchtigt. Im Lauf des 18. Jahrhunderts wurde ihre Höhe reduziert. Die Linienführung der Schiffe versachlichte sich. Man legte generell mehr Wert auf Funktionalität als auf Zierrat und verzichtete auf prachtvolle Aufbauten, wodurch sich die Fahrleistung wesentlich verbesserte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verkehr_und_Wagenbaukunst">Verkehr und Wagenbaukunst</h2></div>
<p>Kutschen oder Reisewagen sahen im Mittelalter starr und unbeweglich aus. Auf einem meist niedrigen Untergestell mit kleinen Rädern saß je nach Anforderung ein kleiner oder mächtiger Aufbau. Diese Wagen waren schwer zu lenken, zudem gab es damals und auch noch in der barocken Epoche keine ausgebauten Straßen. Reisen stellten eine große Unannehmlichkeit dar, die man am besten vermied, wenn sie nicht dringend notwendig waren. Wer sich rasch von einem Ort zu einem anderen bewegen musste, nahm ein Pferd (auch die Herrscher). Der beste und sicherste Transportweg war über das Wasser. Meer, Seen und Flüsse stellten – gutes Wetter vorausgesetzt – die beste Art zu reisen und zu transportieren dar. Wobei man bedenken muss, dass die Schiffsfahrt auf einem Fluss nur in eine Richtung (flussabwärts) rasch vonstattenging, flussaufwärts mussten Schiffe von Pferden, die auf Wegen neben den Flüssen gingen, gezogen werden.
</p>


<p>In der Entwicklung des <a href="Kutsche" title="Kutsche">Kutschenbaus</a> stellt die Carrosse oder Karosse, die spätestens seit dem 16. Jahrhundert als (repräsentativer) Reisewagen verwendet wurde, eine Neuerung dar. Der Wagentyp hatte sich aus einfachen Vorgängermodellen entwickelt, die man verbesserte, indem man ihn mit vier Federn bestückte und den Aufbau mit festem Dach und mit festen Seitenwänden versah.
Um einen bequemen Einstieg zu ermöglichen, wurden die Türen tiefer hinuntergezogen und Treppen eingebaut, die man bei offener Türe hinunterklappen konnte. Karossen wurden in großen <a href="Manufaktur" title="Manufaktur">Manufakturen</a> in Arbeitsteilung produziert, wobei <a href="Stellmacher" class="mw-redirect" title="Stellmacher">Stellmacher</a>, Schreiner, Lackierer, Schmiede, Linierer, Vergolder, Sattler u.&nbsp;a. Handwerker anderer Berufe beteiligt waren.
</p><p>Ein spezieller Wagentyp war die <i>grand carrosse</i>, die große Prunkkarosse, die bei Krönungen, Hochzeiten und repräsentativen Anlässen verwendet wurde. Einige prachtvolle Exemplare sind noch erhalten. Im deutschen Sprachraum ist eine der berühmtesten der Goldene Wagen <a href="Joseph_Wenzel_(Liechtenstein)" title="Joseph Wenzel (Liechtenstein)">Fürst Joseph Wenzels I. von Liechtenstein</a>, mit dem er die Braut Kaiser Josephs II. aus Italien holte und nach Wien begleitete. Er ist im <a href="Palais_Liechtenstein_(F%C3%BCrstengasse)" title="Palais Liechtenstein (Fürstengasse)">Gartenpalais Liechtenstein</a> in Wien ausgestellt. Der <a href="Imperialwagen" title="Imperialwagen">Krönungswagen Kaiser Josephs II.</a> und etliche andere barocke Kutschen der kaiserlichen Familie sind in der Wagenburg, ebenfalls in Wien, zu sehen. Prunk- und Reisewagen der Könige von Frankreich und ihrer Familien sowie auch kleinere Wagen, welche die Kinder Königin Marie Antoinettes selbst lenkten, sind in der <a href="Kutschenmuseum_(Versailles)" title="Kutschenmuseum (Versailles)">Galérie des Carrosses</a> in Versailles ausgestellt.
In Schweden kann man die <a href="Stockholm" title="Stockholm">Stockholmer</a> „Burmannia“ (ca. 1700–1710) in der Livrustkammer sehen, in Deutschland die „<a href="Goldene_Kutsche_(Sondershausen)" title="Goldene Kutsche (Sondershausen)">Goldene Kutsche</a>“ der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen (ca. 1707–1715) im <a href="Schloss_Sondershausen" title="Schloss Sondershausen">Schlossmuseum Sondershausen</a>, in Portugal die <a href="Lissabon" title="Lissabon">Lissabonner</a> „Coche da Cora“ (um 1715) im Museu dos coches und in Russland eine Karosse aus den Jahren 1720 und 1722, die in der <a href="Eremitage_(Sankt_Petersburg)" title="Eremitage (Sankt Petersburg)">Ermitage</a> in <a href="Sankt_Petersburg" title="Sankt Petersburg">St. Petersburg</a> ausgestellt ist.
</p><p>Im 18. Jahrhundert verdrängten leichtere Wagen wie die <a href="Berline_(Fuhrwerk)" title="Berline (Fuhrwerk)">Berline</a> die Karosse und so verengte sich die französische Bezeichnung <i>le carrosse</i> zum Begriff, der einen prunkvollen Staatswagen bezeichnet, so wie er auch im Deutschen verwendet wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mode">Mode</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Kleidermode_zur_Zeit_des_Drei%C3%9Figj%C3%A4hrigen_Krieges" title="Kleidermode zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges">Kleidermode zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges</a> und <a href="Kleidermode_zur_Zeit_Ludwigs_XIV." title="Kleidermode zur Zeit Ludwigs XIV.">Kleidermode zur Zeit Ludwigs XIV.</a></i></div>

<p>Die Entwicklung historischer Epochen lässt sich u.&nbsp;a. auch an modischen Strömungen der Bekleidung und der Haartracht ablesen. Die Kleider waren in Kriegszeiten und auf dem Land immer zweckmäßig, einfacher und schlichter als in Friedenszeiten, in den Städten und an Höfen. Meist gaben Fürsten die Mode vor, die sich dann von der Residenz(stadt) bis in die letzten Winkel des Reiches verbreitete. Dieser Prozess konnte mehrere Jahre dauern, weswegen die Bevölkerung auf dem Land modisch immer nachhinkte.
</p><p>Die barocke Mode (1620–1650) folgte der <a href="Spanische_Mode" class="mw-redirect" title="Spanische Mode">spanischen Mode</a> der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> und war zunächst von den (spanischen) Niederlanden und Flandern beeinflusst. Steife und in der Bewegung einschränkende Kleidung aus dicken und schweren Stoffen wird durch einen weicheren Stil mit fließenden Stoffen abgelöst.
An die Stelle der <a href="Halskrause_(Mode)" title="Halskrause (Mode)">Halskrausen</a> kommen Dekolletés mit Spitzenkragen, die engen Hosen der Männer mit Schamkapsel verbreitern sich zu weiten Kniehosen. Die Röcke der Damenkleider setzten sich meist aus einem Über- und Unterrock zusammen, dessen sichtbarer, schmaler Teil meist aus kostbarem Stoff war. Breitkrempige Hüte dominierten in den Niederlanden, und – beeinflusst von der vorhergehenden spanischen Hofmode – dominierten zunächst noch Schwarz und dunkle Farben. Allerdings setzten sich bei der Damenmode viele weiße Akzente durch, die am Kragen, an den Ärmeln, am Korsett und unter dem Schlitz in der Mitte des Rockes sichtbar waren.
</p><p>In Bezug auf die Männermode änderte sich die Form der Hosen in den 1660er-Jahren. Sie wurden weiter und sahen fast hosenrockartig aus, während das Wams kürzer wurde und viel vom Hemd sehen ließ (<a href="Rheingrafenhose" title="Rheingrafenhose">Rheingrafen-Mode</a>). Darüber trug man einen weiten, rund geschnittenen Überwurfmantel; später den jackenartigen <a href="Herrenrock" title="Herrenrock">Herrenrock</a>. Dazu trugen die Männer lange, offene Haare. Die Kleider der Frauen wurden schlichter: sie bestanden aus einem bodenlangen Rock ohne Überrock und einem eng anliegenden Mieder mit breitem, fast schulterfreiem Ausschnitt und Dreiviertelärmeln. Das Dekolleté wurde häufig von einer breiten Borte eingefasst. Die typische Frauenfrisur dieser Zeit waren die zu beiden Seiten des Gesichts gehäuften Locken.
</p><p>In den 1680er-Jahren setzte sich bei den Männern jene Anzugform durch, die das gesamte 18. Jahrhundert bestimmen sollte. Das <i><a href="Justaucorps" title="Justaucorps">Justaucorps</a></i> (frz.: eng am Körper) bestand aus Weste, langer Überjacke und engerer Kniehose. Auf dem Kopf trugen die Mitglieder höherer Gesellschaftsschichten die <a href="Allongeper%C3%BCcke" title="Allongeperücke">Allongeperücke</a> und den <a href="Dreispitz" title="Dreispitz">Dreispitz</a>, dessen Hutkrempe an drei Seiten hochgeschlagen wurde. Bei den Frauen kam der <a href="Manteau" title="Manteau">Manteau</a>, ein mantelartiges vorne offenes Überkleid, in Mode, das sich ebenfalls beinahe bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hielt.
Er wurde zu einem farblich passenden Rock getragen. Die Überkleider von Damen der Hofgesellschaft hatten häufig eine Schleppe. Die schmale Silhouette der Kleider wurde durch eine Frisur mit hoher Haube, der <a href="Fontange" title="Fontange">Fontange</a>, noch betont. An den Mustern der Stoffe konnte man das modische Jahrzehnt erraten – einmal waren sie klein und mit dicht gestreuten Blumen übersät, einmal waren sie groß und von Bouquets oder Früchten geprägt. Dazwischen gab es eine breite Palette an Formen- und Farbenreichtum. Zudem änderte sich alle paar Jahre die Form der Röcke. Von normal ausgestellt bis zu einer Breite von zwei Metern und mehr waren die Formen sehr reichhaltig.
</p><p>Auch in der römisch-katholischen Kirche änderte sich die liturgische Mode. Viele erhaltene Stücke stammen aus dieser Zeit. Eine besondere Änderung erfuhr die <a href="Kasel_(liturgische_Kleidung)" title="Kasel (liturgische Kleidung)">Kasel</a>, die die Form einer Bassgeige (= römische Kasel) annahm. Kleidung für kirchliche Hochfeste wurde aus schweren Brokatstoffen gefertigt. Sie konnte mit Goldspitze, Perlen, Glas- oder Halbedelsteinen besetzt und mit Gold- und Hochstickerei verziert sein. Die Stoffe waren meist Schenkungen von Damen der höchsten Gesellschaftsstufen. Es war Brauch, das kostbare Brautkleid (das damals noch nicht weiß war) dem nächsten Kloster zur Fertigung neuer Kleidung zu überlassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kunstgeschichtliche_Wertung">Kunstgeschichtliche Wertung</h2></div>
<p>Barock erfuhr im und ab dem 19. Jahrhundert zwei verschiedene Bewertungen. Während eine Gruppe den Begriff negativ (subjektiv) mit Überladenheit gleichsetzt, sieht die andere Gruppe in dieser Kunstrichtung den Kulminationspunkt des <a href="Gesamtkunstwerk" title="Gesamtkunstwerk">Gesamtkunstwerks</a>. Nie zuvor war in einer Epoche jedes Detail des Alltags so künstlerisch ausgeklügelt wie im Barock. Von der Ausstattung eines Hauses über den Garten bis zum Verhalten der Menschen zueinander, die sich sogar im Alltag an beinahe theatralische Regeln hielten, war alles diesem ganzheitlichen System unterworfen.
</p><p>Zu den oft diskutierten Schattenseiten des Barock gehören seine Vorliebe für die Darstellung schrecklicher und unheimlicher Objekte, der Reliquienkult<sup id="cite_ref-38" class="reference"><a href="#cite_note-38"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und vor allem die Zurschaustellung des „süßen Leidens“ nackter <a href="M%C3%A4rtyrer" title="Märtyrer">Märtyrer</a>. Hier verbindet sich der gegenreformatorische Impetus der Bußbrüderschaften mit <a href="Sadomasochismus" title="Sadomasochismus">sadomasochistischen</a> Tendenzen, teils aber auch mit dem im 17. Jahrhundert erwachenden Interesse an menschlicher Anatomie.<sup id="cite_ref-39" class="reference"><a href="#cite_note-39"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein Grund, warum Barock heute von vielen als „kitschig“ empfunden wird, ist, dass im 19.&nbsp;Jahrhundert viele Stilrichtungen, am häufigsten wohl Barock, kopiert und neu interpretiert wurden. Da das selten stilgetreu geschah und häufig an einem Gebäude mehrere Stilrichtungen verwendet wurden, entstanden eigenwillig-eklektische, mit Zierrat überladene Architekturgebilde mit ebensolchen Ausstattungen, die als „stillos“ empfunden werden. Da viele Menschen den Begriff Barock nur in dieser übertragenen pejorativen Form kennen, weil sie zeitlich näher liegt und mehr davon erhalten ist, bewerten sie Barock negativ.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frankreich">Frankreich</h3></div>
<p>In Frankreich kam in einer wenig bedeutenden Einzelbewegung zu Beginn des 18.&nbsp;Jahrhunderts Kritik an der Kunstproduktion auf. Sie stehen im Zusammenhang mit der <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a> und wurden z.&nbsp;B. in den 1719 erschienenen <i>Réflexions critiques sur la poésie et sur la peinture</i> (Kritische Betrachtungen über die Poesie und die Malerei) des <a href="Abb%C3%A9_Dubos" class="mw-redirect" title="Abbé Dubos">Abbé Dubos</a> formuliert. Generell empfand man den italienischen Architekturstil in Frankreich als überladen. Außerdem wollte man einen eigenen nationalen, vor allem klassi(zist)schen Stil prägen, da u.&nbsp;a. sogar <a href="Gian_Lorenzo_Bernini" title="Gian Lorenzo Bernini">Berninis</a> Fassadenentwürfe für den <a href="Louvre" title="Louvre">Louvre</a> als zu italienisch galten.<sup id="cite_ref-40" class="reference"><a href="#cite_note-40"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zwar wurden das Adjektiv <i>baroque</i> und das Substantiv <i>le baroque</i> durch <a href="Quatrem%C3%A8re_de_Quincy" class="mw-redirect" title="Quatremère de Quincy">Quatremère de Quincy</a> im Sinne einer Verfeinerung der Architektur definiert; doch empfanden Kritiker die barocken Formelemente als bizarr, exzessiv und übersteigert. Man führte <a href="Francesco_Borromini" title="Francesco Borromini">Borrominis</a> und Berninis Werke als negative Beispiele dafür an.<sup id="cite_ref-41" class="reference"><a href="#cite_note-41"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch die <a href="%C3%84sthetik" title="Ästhetik">Ästhetik</a> <a href="Charles-Augustin_Sainte-Beuve" title="Charles-Augustin Sainte-Beuve">Sainte-Beuves</a> blieb in seiner Ablehnung barocker Elemente der französischen Literatur wie der wuchernden Metaphorik dem klassizistischen Wertungssystem verbunden.<sup id="cite_ref-42" class="reference"><a href="#cite_note-42"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deutschland">Deutschland</h3></div>
<p>In der Kunstbetrachtung wurde seit <a href="Adam_Friedrich_Oeser" title="Adam Friedrich Oeser">Adam Friedrich Oeser</a> und <a href="Johann_Joachim_Winckelmann" title="Johann Joachim Winckelmann">Johann Joachim Winckelmann</a> der deutsche <a href="Klassizismus" title="Klassizismus">Klassizismus</a> höher eingeschätzt als der Barock, was eine typische Reaktion aller Epochen ist – dass eine neue Kunstströmung, die man selbst mitmacht, eine ältere (überholte) ablöst. Trotz seiner Wertschätzung für hellenistische Kunstwerke, die dem barocken Stilempfinden nahestanden – so die <a href="Laokoon-Gruppe" title="Laokoon-Gruppe">Laokoon-Gruppe</a> – verachtete Winckelmann das Werk Berninis.<sup id="cite_ref-43" class="reference"><a href="#cite_note-43"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dazu trug auch die seit Winckelmann spürbare Bevorzugung der griechischen Antike gegenüber der römischen bei, was sich wiederum gegen die Rezeption des französischen Klassizismus in Deutschland richtete. Barock galt den vorwiegend protestantischen deutschen Kunsttheoretikern, -kritikern und -historikern als zu opulent und zu gegenreformatorisch.
</p><p>Ähnliches galt auch für die französische Literatur der Epoche, die eigentlich nicht barock, sondern klassizistisch war. Der Frühaufklärer <a href="Johann_Christoph_Gottsched" title="Johann Christoph Gottsched">Johann Christoph Gottsched</a> lehnte den literarischen Stil und das kunsthandwerkliche Dichtungsverständnis als konstruiert und nicht originell ab. Noch radikaler wandte sich <a href="Lessing" class="mw-redirect" title="Lessing">Lessing</a> gegen die Regelpoetik. In <a href="Pierre_Corneille" title="Pierre Corneille">Corneilles</a> <i>Rodogune</i> sah er den Gipfel der Unkunst und skizzierte in der <a href="Hamburgische_Dramaturgie" title="Hamburgische Dramaturgie">Hamburgischen Dramaturgie</a> die Voraussetzungen für ein neues bürgerliches Drama, das auf „Pomp und Majestät“ der Dramen Corneilles verzichten kann.<sup id="cite_ref-44" class="reference"><a href="#cite_note-44"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sein „bürgerliches Trauerspiel“ <i><a href="Miss_Sara_Sampson" title="Miss Sara Sampson">Miss Sara Sampson</a></i> leitete den Abschied vom Barock auf den deutschen Bühnen ein und bereitete dem Ideal der „Natürlichkeit“ den Weg. Hauptsächlich ist in diesen Argumentationen weniger die Kritik an der Kunst als die an der Aufträge erteilenden Gesellschaft gemeint.
</p><p>Für <a href="Johann_Georg_Hamann" title="Johann Georg Hamann">Johann Georg Hamann</a> als Vertreter des bereits auf die <a href="Romantik" title="Romantik">Romantik</a> verweisenden christlich-mystischen <a href="Geniekult" class="mw-redirect" title="Geniekult">Geniekults</a> der <a href="Sturm_und_Drang" title="Sturm und Drang">Sturm-und-Drang</a>-Epoche stand fest, dass der Künstler von Regeln befreit arbeiten müsse und die Tiefe des Gefühls als wichtigstes Kriterium für das künstlerische Schaffen zu gelten habe.<sup id="cite_ref-45" class="reference"><a href="#cite_note-45"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Goethe" class="mw-redirect" title="Goethe">Goethe</a> kritisierte die massige und überladene Barockarchitektur,<sup id="cite_ref-46" class="reference"><a href="#cite_note-46"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> in der er sich aber auch gerne bewegte (man denke an die Romaufenthalte) und nutzte zudem selbst barocke Lyrikformen. Die Ablehnung alles (in dieser Epoche dominant) Französischen, war eine Idee, die die deutsche Romantik des 19. Jahrhunderts prägte. Das führte auch zu der distanzierten Formulierung im <i>Deutschen Wörterbuch</i> der Brüder <a href="Jacob_Grimm" title="Jacob Grimm">Jacob</a> und <a href="Wilhelm_Grimm" title="Wilhelm Grimm">Wilhelm Grimm</a>: „Barockisch soll das franz. baroque, bizarre unserer sprache bequemen (wie antikisch sp. 500, idealisch, theatralisch): der barockische schmuck vielfarbger muscheln.“<sup id="cite_ref-47" class="reference"><a href="#cite_note-47"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Allerdings gab es auch Gegentendenzen: So würdigte <a href="August_Wilhelm_Schlegel" title="August Wilhelm Schlegel">August Wilhelm Schlegel</a> trotz seiner Kritik der Ästhetik des Zeitalters <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwig XIV.</a> die barocke Rhetorik.<sup id="cite_ref-48" class="reference"><a href="#cite_note-48"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die deutsche literarische Romantik fühlte sich durchaus von der barocke Maschinen- und Uhrwerkmetaphorik angezogen; doch schlug sich das eher in ihren Werken (z.&nbsp;B. mit glossierender Tendenz in <a href="Jean_Paul" title="Jean Paul">Jean Pauls</a> <i>Die unsichtbare Loge</i>, <a href="E.T.A._Hoffmann" class="mw-redirect" title="E.T.A. Hoffmann">E.T.A. Hoffmanns</a> <i>Der Sandmann</i>, <i>Der Elementargeist</i>, <a href="Heinrich_von_Kleist" title="Heinrich von Kleist">Kleists</a> <i>Über das Marionettentheater</i> u.&nbsp;a.) als in der kunst- und literaturkritischen Betrachtung der Zeit nieder. E.T.A. Hoffmann begeisterte sich für das spanische Barocktheater und übersetzte die Stücke <a href="Pedro_Calder%C3%B3n_de_la_Barca" title="Pedro Calderón de la Barca">Calderóns</a>. Jacob Burckhardt kritisierte Barock im <i>Cicerone</i> (1855), lobte aber die künstlerische „Freiheit“, die sich barocke Künstler nahmen (eigentlich ein Widerspruch zu dem, was seine Zeitgenossen schrieben).<sup id="cite_ref-49" class="reference"><a href="#cite_note-49"><span class="cite-bracket">[</span>39<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine mehr theoretische Sichtweise auf das Phänomen Barock – immer noch aus der Sicht des Protestantismus auf das Jahrhundert der Gegenreformation und durch seine Abneigung gegen das Theatralische und Illusionistische – entwickelte sich in den 1860er Jahren. <a href="Friedrich_Nietzsche" title="Friedrich Nietzsche">Nietzsche</a> erblickte wohl als erster die zahllosen Parallelen in Architektur, Skulptur, Literatur und Musik, obwohl der Gedanke damals in der Luft lag. Aphoristisch zugespitzt formuliert er: „Griechischer <a href="Dithyrambus" class="mw-redirect" title="Dithyrambus">Dithyrambus</a> ist Barockstil in der Dichtkunst“<sup id="cite_ref-50" class="reference"><a href="#cite_note-50"><span class="cite-bracket">[</span>40<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und übertrug damit den Barockbegriff auf die Literatur. Nietzsche ging es nicht um die Einmaligkeit des Barockstils, sondern um eine gesetzliche Wiederkehr von Stilrichtungen, also um ein periodisch-überzeitliches Phänomen des <i>Abblühens einer Kultur</i>, das immer eintritt, wenn eine klassische Periode ihre Ausdrucksmittel erschöpft hat: „es hat von den griechischen Zeiten ab schon oftmals einen Barockstil gegeben, in der Poesie, Beredsamkeit, im Prosastile, in der Skulptur ebensowohl als bekanntermaßen in der Architektur“, der nicht abschätzig beurteilt werden sollte.<sup id="cite_ref-51" class="reference"><a href="#cite_note-51"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die barocke Musik sei eine Kunst von Künstlern „nur für Künstler“ bestimmt, nicht für Laien.<sup id="cite_ref-52" class="reference"><a href="#cite_note-52"><span class="cite-bracket">[</span>42<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seine Erwähnung des grausamen Humors, der Lust an hässlicher Verzerrung erreicht in <a href="Cervantes" class="mw-redirect" title="Cervantes">Cervantes</a>’ <i><a href="Don_Quichote" class="mw-redirect" title="Don Quichote">Don Quichote</a></i> einen Höhepunkt.<sup id="cite_ref-53" class="reference"><a href="#cite_note-53"><span class="cite-bracket">[</span>43<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Groteske oder Verhässlichung ist für viele Werke der deutschen Barocklyrik, wie für <a href="Grimmelshausen" title="Grimmelshausen">Grimmelshausens</a> „Simplicissimus Teutsch“, typisch.<sup id="cite_ref-54" class="reference"><a href="#cite_note-54"><span class="cite-bracket">[</span>44<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Gefahr einer von der Epoche abgelösten rein stilistischen Betrachtungsweise besteht in der Inflationierung des Barockbegriffs, wodurch die Strukturmerkmale barocker Architektur bspw. auch auf die Dramen <a href="Shakespeare" class="mw-redirect" title="Shakespeare">Shakespeares</a> übertragen wurden. Aber auch die Überdehnung eines epochengeschichtlichen Begriffs durch Übertragung auf alle möglichen künstlerischen Sphären einer Epoche trägt der Ungleichzeitigkeit der Entwicklung von je besonderen Stilmerkmalen der einzelnen Künste nicht hinreichend Rechnung.
</p><p><a href="Heinrich_W%C3%B6lfflin" title="Heinrich Wölfflin">Heinrich Wölfflin</a>, von dem wir nicht wissen, ob er Nietzsche gelesen hat, entwickelte eine psychologisch begründete Theorie des Stilwandels und seiner Ursachen.<sup id="cite_ref-Wölfflin_58_55-0" class="reference"><a href="#cite_note-Wölfflin_58-55"><span class="cite-bracket">[</span>45<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Jeder Stil sei Ausdruck seiner Zeit, er nutze sich ab und wandle sich mit den Wandlungen der menschlichen Emotionen. Wölfflin strebte eine vergleichende Stilanalyse an, die frei von Wertungen sein sollte; er entwickelte aus dem deskriptiven Epochenbegriff einen Stilbegriff des Barock als künstlerisches Grundmuster. Dabei verzichtete er auf die häufig verwendeten Attribute wie „überladen“ und „gekünstelt“.
</p><p><a href="Walter_Benjamin" title="Walter Benjamin">Walter Benjamin</a> sieht in den Exzentrizitäten des barocken Dramas, in seiner allegorisch-monumentalen Darstellungsweise, Melancholie und antithetischen Struktur der dauernden Spannung zwischen Diesseits und Jenseits den Beginn der Moderne.<sup id="cite_ref-56" class="reference"><a href="#cite_note-56"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Österreich"><span id=".C3.96sterreich"></span>Österreich</h3></div>
<p>In Österreich gelangte zuerst <a href="Albert_Ilg" title="Albert Ilg">Albert Ilg</a> um 1870 zu einer Neubewertung des Barock (bei ihm: die „Barocke“),<sup id="cite_ref-57" class="reference"><a href="#cite_note-57"><span class="cite-bracket">[</span>47<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> der am Wiener Kaiserhof und bei den meisten Schlossbesitzern nie unpopulär wurde. Eine Vermutung geht dahin, dass man sich nicht dauernd neuen Moden anpassen wollte. Eine andere ist, dass man sich von dem im Barock geschaffenen künstlerisch und handwerklich hochqualitativen Werken und Möbeln nicht trennen wollte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="England">England</h3></div>
<p>Einen durchgängigen barocken Epochenstil gab es im puritanischen England nicht. Hier herrschten nicht Gegenreformation und Mystik, sondern Voraufklärung und Rationalismus, auch wenn sich deren Vertreter wie <a href="John_Milton" title="John Milton">John Milton</a> teils barocker literarischer Formen bedienten.<sup id="cite_ref-58" class="reference"><a href="#cite_note-58"><span class="cite-bracket">[</span>48<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die englische Kunstgeschichtsschreibung tendierte dazu, die Epoche der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> bis weit ins 17. Jahrhundert auszudehnen und den <a href="Palladianismus" title="Palladianismus">palladianischen</a> <a href="Klassizismus" title="Klassizismus">Klassizismus</a> direkt daran anzuschließen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Gegenwart">Gegenwart</h2></div>
<p>Einige zeitgenössische Schriftsteller und Literaturhistoriker erkennen heute Parallelen zwischen dem 17. Jahrhundert und der heutigen Zeit in Bezug auf existenzielle Probleme, was das Interesse an der Literatur der Barockzeit steigen lässt.<sup id="cite_ref-59" class="reference"><a href="#cite_note-59"><span class="cite-bracket">[</span>49<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Regionale_Ausformungen">Regionale Ausformungen</h2></div>
<ul><li><a href="Brasilianischer_Barock" title="Brasilianischer Barock">Brasilianischer Barock</a></li>
<li>Danziger Barock</li>
<li><a href="Dresdner_Barock" title="Dresdner Barock">Dresdner Barock</a></li>
<li><a href="Lecceser_Barock" title="Lecceser Barock">Lecceser Barock</a></li>
<li>Neapolitanischer Barock</li>
<li><a href="Sizilianischer_Barock" title="Sizilianischer Barock">Sizilianischer Barock</a></li>
<li><a href="Ukrainischer_Barock" title="Ukrainischer Barock">Ukrainischer Barock</a></li>
<li><a href="Bauernbarock" title="Bauernbarock">Bauernbarock</a></li>
<li>Barocchetto, Rom</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<p><small> nach Autoren alphabetisch geordnet </small>
</p>
<ul><li><a href="Maurice_Ashley_(Historiker)" title="Maurice Ashley (Historiker)">Maurice Ashley</a>: <i>Das Zeitalter des Barock. Europa zwischen 1598 und 1715.</i> Dtv, München 1983, ISBN 3-423-05941-9.</li>
<li>Hermann Bauer: <i>Barock. Kunst einer Epoche.</i> Reimer, Berlin 1992, ISBN 3-496-01095-9.</li>
<li>Hermann Bauer, Andreas Prater und <a href="Ingo_F._Walther" title="Ingo F. Walther">Ingo F. Walther</a> (Hrsg.): <i>Barock</i>. Taschen Verlag, Köln 2006, ISBN 3-8228-5299-6.</li>
<li>Beverly Louise Brown (Hrsg.): <i>Die Geburt des Barock.</i> Belser Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-7630-2388-7 (das Werk erschien anlässlich der Ausstellungen <i>The Genius of Rome 1592–1623</i> in der <a href="Royal_Academy_of_Arts" title="Royal Academy of Arts">Royal Academy of Arts</a>, London und im <a href="Palazzo_Venezia" title="Palazzo Venezia">Palazzo Venezia</a>, Rom, beide 2001)</li>
<li>Günter Brucher: Die Kunst des Barock in Österreich. Residenz Verlag, Salzburg, Wien 1994. Verlag: Residenz Verlag, 1994. ISBN 3-7017-0888-6.</li>
<li><a href="Peter_Hersche" title="Peter Hersche">Peter Hersche</a>: <i>Muße und Verschwendung. Europäische Gesellschaft und Kultur im Barockzeitalter</i>. 2 Bände. Herder, Freiburg 2006, ISBN 3-451-28908-3.</li>
<li><a href="Stephan_Hoppe" title="Stephan Hoppe">Stephan Hoppe</a>: <i>Was ist Barock? Architektur und Städtebau Europas 1580–1770</i>. Darmstadt 2003.</li>
<li>Erich Hubala: <i>Kunst des Barock und Rokoko. Malerei, Plastik, Architektur.</i> Belser, Stuttgart 1991, ISBN 3-7630-1879-4.</li>
<li><a href="Wilfried_Koch" title="Wilfried Koch">Wilfried Koch</a>: <i>Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart.</i> Prestel Verlag, München 2014, 32. Auflage, ISBN 978-3-7913-4997-8.</li>
<li><a href="Erwin_Panofsky" title="Erwin Panofsky">Erwin Panofsky</a>: <i>Was ist Barock?</i> Philo &amp; Philo Fine Arts, Hamburg 2005, ISBN 3-86572-410-8.</li>
<li>Gabriele Praschl-Bichler: Alltag im Barock. Verlag Styria, Graz-Wien-Köln 1995. ISBN 3-222-12317-9.</li>
<li>Michael Rohde: <i>Der Garten als Kunstwerk im Frühbarock</i>. In: <a href="Die_Gartenkunst" title="Die Gartenkunst">Die Gartenkunst</a>&nbsp;14 (1/2002), S.&nbsp;65–72.</li>
<li><a href="Werner_Telesko" title="Werner Telesko">Werner Telesko</a>: <i>Einführung in die Ikonographie der barocken Kunst.</i> Böhlau Verlag UTB, Wien / Köln / Weimar 2005, ISBN 3-8252-8301-1.</li>
<li><a href="Rolf_Toman" title="Rolf Toman">Rolf Toman</a> (Hrsg.): <i>Barock. Architektur-Skulptur-Malerei.</i> Könemann im Tandem-Verlag, 2005, ISBN 3-8331-1041-4.</li>
<li>Heinrich Wölfflin: <cite style="font-style:italic">Renaissance und Barock: Eine Untersuchung über Wesen und Entstehung des Barockstils in Italien</cite>. <a href="Theodor_Ackermann_(Verleger)" title="Theodor Ackermann (Verleger)">Theodor Ackermann</a>, München 1888.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Barock&amp;rft.au=Heinrich+W%C3%B6lfflin&amp;rft.btitle=Renaissance+und+Barock%3A+Eine+Untersuchung+%C3%BCber+Wesen+und+Entstehung+des+Barockstils+in+Italien&amp;rft.date=1888&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=M%C3%BCnchen&amp;rft.pub=Theodor+Ackermann" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li><i>Meisterwerke des Barock</i>, <a href="Digitale_Bibliothek_(Produkt)" title="Digitale Bibliothek (Produkt)">Kleine digitale Bibliothek</a> Band 24, CD-ROM, <a href="Directmedia_Publishing_GmbH" class="mw-redirect" title="Directmedia Publishing GmbH">Directmedia Publishing GmbH</a>, Berlin 2007, ISBN 978-3-89853-324-9.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Baroque_art?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Barockkunst</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Barock" class="extiw external" title="wikt:Barock">Wiktionary: Barock</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&amp;query=4004541-9">Literatur von und über Barock</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://austria-forum.org/af/AEIOU/Barock">Barock in Österreich</a> im <a href="Austria-Forum" title="Austria-Forum">Austria-Forum</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Günter Brucher: <cite style="font-style:italic">Die Kunst des Barock</cite>. Salzburg 1994.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Barock&amp;rft.au=G%C3%BCnter+Brucher&amp;rft.btitle=Die+Kunst+des+Barock&amp;rft.date=1994&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Salzburg" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">"Barock", in: <i>Lexikon der Kunst, Bd. 2</i>, Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, S. 7–24, hier S. 7</span>
</li>
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<li id="cite_note-56"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-56">↑</a></span> <span class="reference-text">Walter Benjamin: <i>Ursprung des deutschen Trauerspiels.</i> Gesammelte Schriften Band I. Frankfurt 1974 (zuerst 1925), S. 317 ff.</span>
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<li id="cite_note-57"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-57">↑</a></span> <span class="reference-text">Edzard Rust, Huberta Weigl: <i>Die Fischer von Erlach und ihr erster Monograph Albert Ilg.</i> In: <i>Kunsthistoriker aktuell.</i> Mitteilungen des österreichischen Kunsthistorikerverbandes 13. Wien 1996, S. 9–10.</span>
</li>
<li id="cite_note-58"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-58">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Dieter Gelfert: <i>Kleine Geschichte der englischen Literatur.</i> München 1997, S. 99 ff.</span>
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<li id="cite_note-59"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-59">↑</a></span> <span class="reference-text">Victoria von Flemming (Hrsg.): <i>Barock – Moderne – Postmoderne: ungeklärte Beziehungen. </i>Wiesbaden 2014. – Eberhard Mannack: <i>Barock in der Moderne: Deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts als Rezipienten deutscher Barockliteratur.</i> Wiesbaden 2014; siehe u.&nbsp;a. <a href="G%C3%BCnter_Grass" title="Günter Grass">Günter Grass</a>: <i><a href="Das_Treffen_in_Telgte" title="Das Treffen in Telgte">Das Treffen in Telgte</a>.</i> 1979.</span>
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